Zukunftsorte: Kultur als Kitt der Dorfgemeinschaft

Zukunftsorte Symposium in Kals

Martin Gratz begrüßt die Gäste beim Zukunftsorte-Symposium in Kals. Foto: Marlis Stubenvoll

Zukunfts-Symposium im Tirol

Es gibt Orte, die vor sich hindösen und solche, die durch massive Abwanderung vom Aussterben bedroht sind. Und es gibt Zukunftsorte. Was es damit auf sich hat, verdeutlichte ein Symposium in Kals am Großglockner zum Thema „Kultur verbindet“. Was können wir davon lernen?

Der Landkreis Miesbach, vertreten durch die Standortmarketing Gesellschaft SMG, ist transnationaler Partner der Zukunftsorte in Österreich.  Auch KulturVision beschäftigt sich seit 2016 mit der Initiative „Anders wachsen – Alternativen für das Oberland“ mit alternativen Wegen der gesellschaftlichen Entwicklung. Die Zukunftsgestaltung unserer Gesellschaft mobilisiert immer mehr Menschen, die Resonanz ist enorm.

Ziel: Stärkung ländlicher Gemeinden

Deshalb war das Thema des aktuellen Symposiums der Zukunftsorte im Rahmen der internationalen da.und.dort Konferenz umso spannender: Kultur verbindet. Bei diesem transnationalen Projekt forcieren die Zukunftsorte gemeinsam mit der bayrischen Partnerregion den überregionalen und internationalen Austausch. Ziel ist es, das interkommunale Bildungsnetzwerk weiter auszubauen, Innovationen voranzutreiben und ländliche Gemeinden langfristig zu stärken.

„Kann Kulturpolitik auch Standortpolitik und Kitt einer Dorfgemeinschaft sein?“ Ja. Das hat der Zukunftsort Kals gemeinsam mit den beiden Gemeinden Neckenmarkt und Raiding aus dem Burgenland beim Symposium bewiesen.

Einzigartiges Unterrichtskonzept

Kultur ist ein starker Kitt und Motor. Mit knapp 1200 Einwohnern ist Kals ein kleiner Ort, gelegen auf 1324 Metern. Und doch schaffen es die Kalser, ihre Schule im Dorf zu erhalten. Sie haben sich ein Konzept ausgedacht, das einzigartig ist in Österreich: Ein Bildungszentrum. Unter seinem Dach sind Kindergarten, Volks- und Mittelschule untergebracht. Auch die Musikschule findet ihren Platz. Die Bläserklasse startet bereits im vierten Schuljahr. Einzigartig ist, dass in Clustern unterrichtet wird.

Besuch im Kalser Bildungszentrum
Besuch bei der Bläserklasse im Bildungszentrum Kals. Foto: Marlis Stubenvoll

Die Symposiumgäste waren zu Besuch bei einem kombinierten Tag der Kindergartenkinder und Zweitklässler – in den beeindruckenden Räumen des Kindergartens samt Baumhaus und Kletterwand. Der Vorteil ist, dass die Kinder behütet alle miteinander bis zum vierzehnten Lebensjahr im Dorf in die Schule gehen. Dass jedes von ihnen bis zum Verlassen der Schule bereits den Großglockner bestiegen hat, ist der Schulpartnerschaft mit den Rangern des Nationalparks zu verdanken.

Die Kinder lernen nicht nur das Klettern an der Bolderwand, sondern am Fels im Nationalpark. Das Eisklettern am Gletscher und das Abseilen in die Gletscherspalte gehören dazu. Der Nationalpark Hohe Tauern ist wichtiger Bestandteil der Kalser Identität. Von seiner Schönheit und Artenvielfalt überzeugten die Ranger auf einer geführten Schneeschuhtour innerhalb des Symposiums.

Zukunftsort Kals setzt auch auf moderne Architektur: Gradonna
Zukunftsort Kals setzt auch auf moderne Architektur: Resorthotel Gradonna. Foto: IW

Eine andere zukunftsweisende Vision hatten die Kalser mit dem Fokus auf Architektur und entwickelten so eine Identität zwischen Moderne und kulturellen Erbe. Das überzeugte die Symposiumsgäste nicht nur im Dorfkern, sondern auch beim Besuch des Resorthotels „Gradonna“. Dort wurde nicht etwa ein Hotelklotz in die Landschaft gestellt. Die über 450 Betten verteilen sich wie ein kleines Dorf auf 42 Einzelgebäuden am Berg. Die moderne Architektur aus Glas und Zirbelholz fügt sich mühelos in die Landschaft.

Das Glocknerdorf positioniert sich heute als moderner Tourismusort und setzt seit den Kalser Zukunftsgesprächen 1988 in allen wichtigen Fragen auf aktive Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger. Wie gut die Chemie zwischen Rathaus, Bürgern und Aktiven ist, zeigte sich die ganzen zwei Tage hindurch. Einleitend zum Symposium eröffnete Bürgermeisterin Erika Rogl die Ausstellung der „Ausheimischen“ Kalser Künstlerin Andrea Baumüller im Gemeindekulturhaus „de calce“.

 Kultur ist ein starker Motor für Gemeinschaft

Beim anschließenden Empfang beeindruckte das Kalser Blasorchester die Gäste mit Livemusikbegleitung zu Filmen über den Großglockner – auch das ist ein kultureller Exportschlager des Glocknerortes. Das Orchester unter Leitung von Martin Gratz tourte mit den Filmen bereits erfolgreich im In- und Ausland. Auch die Gäste und Mitinitiatoren aus dem Burgenland zeigten mit Musik und traditionellem Fahnenschwingen, wie stark die Kultur als Kitt wirkt, der die Gemeinschaft verbindet.


Traditionelles Fahnenschwingen im Burgenland. Foto: Marlis Stubenvoll

Über „Kulturinitiativen am Land – was bringt´s der Gemeinde?“ referierte Thomas Diesenreiter von der Kulturplattform OÖ. „Abwanderung, na und?“ war die provokative Hauptfrage des „Zukunftssorte Workshops“, bei dem sich die Teilnehmer auf fünf spannende Themengruppen aufteilten. Gemeinsam wurde nach neuen Lösungsansätzen gesucht. Dabei ging es beispielsweise um „Kreative in Residenz“, das Konzept der Co-Workingspaces.

Kunst als Spielraum für Engagement

Auch die Migration als Chance für den ländlichen Raum wurde diskutiert und nach Ideen für moderne Lebensentwürfe auf dem Land gesucht. „Welche Rolle spielt die Kunst als Spielraum, sich sozial zu engagieren?“, war eine Fragestellung, die zu kreativen Ideen führte. Die Ergebnisse der Workshops brachten neue Impulse für die Kalser wie auch die Gäste der anderen Zukunftsorte.

Zukunftsorte Kals Symposium
Zusammenfassung der Zukunftsworkshops: Michael Hohenwarter vom RegionsManagement Osttirol. Foto: Marlis Stubenvoll

Das Ziel der Symposien innerhalb der da.und.dort Konferenz: Die praktischen Erfahrungen und Erkenntnisse aus aktuellen Projekten in ländlichen Gemeinden sollen überregional geteilt werden und zu neuen Innovationen und Ideen anregen.

Der Landkreis Miesbach ist internationaler Partner der Zukunftsorte bei diesem LEADER Projekt. 2017 fand das Symposium „Invest in Bio + Regio“ im Rahmen der internationalen „da.und.dort Konferenz“ in Miesbach statt, ausgetragen von der Standortmarketing Gesellschaft (SMG). Auch da wurden neue Impulse gesetzt und Beispiele aufgezeigt, die dazu beitragen, die Kulturlandschaft im Oberland zu erhalten.

Hier geht es zu weiteren Artikeln zum Thema:

Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite der Zukunftsorte.

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