Geht’s auch anders? Gelebter Spurwechsel im Waitzinger Keller

Monika Ziegler und Markus Bogner sprechen über Spurwechsel

Moderatorin Dr. Monika Ziegler (KulturVision) und Biobauer und Spurwechsler Markus Bogner als Impulsreferent. Foto: Isabella Krobisch

Spurwechseltag im Waitzinger Keller

Wie kann das Leben gelingen? Welche Rahmenbedingungen brauchen der einzelne Mensch und die Gesellschaft für einen Wandel? Ein spannender Tag zum Thema Spurwechsel im Waitzinger Keller suchte eine gemeinsame Annäherung an Fragen, die uns alle bewegen.

Der heurige Spurwechseltag war bereits der dritte, zu dem KulturVision e.V., die Volkshochschule und das Kulturamt Miesbach einluden. Die von Monika Ziegler gegründete Spurwechsel Initiative kann stolz auf sechs Jahre voll von Projekten zurückblicken. Die Schreibwerkstatt wurde gegründet, Coaching und Spurwechselseminare angeboten. Menschen, die ihrem Leben eine neue Richtung geben wollen, können auf ein breites Angebot von Unterstützung zurückgreifen.

Spurwechsel Podium
Podiumsgäste (v.l.) Ute Haury, Nicolas de Quatrebarbes, Ines Wagner, Coloman Kallos mit Monika Ziegler in der Mitte Foto: Petra Kurbjuhn

Der Spurwechseltag gab die Gelegenheit, im größeren Rahmen über den Wandel des Einzelnen und unserer Gesellschaft nachzudenken.

Biobauer Markus Bogner als eloquenter Gastredner

Mit dem bekannten Biobauern und Autor Markus Bogner stand ein aussagekräftiger Impulsreferent am Rednerpult. Sein Spurwechsel vollzog sich vom Elektroniker über den Sanitäter zum Biobauern. Bei der von ihm als Biobauern angewandten Permakultur werden alle Ressourcen berücksichtigt. Schweine, die den Boden umgraben, düngen und irgendwann gegessen werden, zeigen, wie Nachhaltigkeit praktisch funktioniert. Die ursprünglich aus der Landwirtschaft kommende Permakultur ist inzwischen ein Denkprinzip geworden, das weit über diese hinausgeht.

Direkter Kontakt verhindert Unmenschlichkeit

Markus Bogner unterstrich die Bedeutung des Persönlichen. Wir müssten uns zwingen, den direkten Kontakt wieder herzustellen. Zum Kleinbauern, der uns mit Milch und Eiern versorgt, zum Schreiner, der uns die Möbel zimmert, zum Schneider, der uns die Hose ändert.  Wenn genügend Menschen beim Kleinbauern einkaufen, ihn kennen, werden sich diese Menschen in Bewegung setzen, wenn das Überleben des Bauern gefährdet ist. Kaufen Sie die Milch im Supermarkt, werden sie lediglich bedauernd feststellen, dass es einen Kleinbauern weniger gibt.

Dass die Gemeinschaft eine große Rolle im Prozess der Wandlung spielt, darin waren sich auch die Podiumsgäste einig. Allein hätten sie den Wandel nicht geschafft.

Von der Luxusbranche zum Sinnvollen

Ines Wagner entfloh ihrer gutbezahlten Stelle als Modedesignerin, um sich ihrem Kindheitstraum, dem Schreiben zu widmen. Anschaulich beschrieb sie ihre Suche nach einem Wirkungsbereich, in dem sie ihre Fähigkeiten sinnvoll einsetzen konnte. Ihren eigenen Weg geht sie heute als Autorin für verschiedene Magazine und Vorsitzende von KulturVision e.V.

Monika Ziegler, Ines Wagner, Coloman Kallos
Podiumsgäste Ines Wagner (KulturVision) und Coloman Kallos mit Monika Ziegler (li). Foto: Petra Kurbjuhn

Nicolos de Quatrebarbes wagte ebenfalls den Sprung aus einer angesehenen Position. Der gebürtige Franzose war als Berater und Geschäftsführer im Luxussegment tätig gewesen, als er bemerkte, dass ihn seine Position nicht erfüllte. Er meint, dass er besonders aus seinen Misserfolgen beim Spurwechsel gelernt hat. Heute arbeitet er mit Firmen wie ZERI und Blue Economy zusammen, die mit seinen Werten übereinstimmen.

Spurwechsel als Lebensmotto

Ute Haurys Weichenstellung wurde durch den Schlaganfall ihrer weit weg wohnenden Mutter eingeleitet. Der Schicksalsschlag gab den Anstoß für ihre Liebe zu alternativen Wohnformen. Sie folgte ihrem Ruf und arbeitet heute nicht mehr wie früher im Immobilienbereich, sondern dafür, dass alternative Wohnformen wie Mehrgenerationenhäuser Wirklichkeit werden. Außerdem ist sie ein engagiertes Gründungsmitgleid der Bürgerstiftung Holzkirchen

Spurwechsel Ute Haury und Nicolas de Quatrebarbes
Ute Haury (Bürgerstiftung Holzkirchen) und Nicolas de Quatrebarbes. Foto: Jürgen Haury

„Wenn man einmal draufkommt, dass man ein Spurwechlser ist, bleibt man das auch“, erklärt der vierte Podiumsgast, Coloman Kallos. Sein buntes Leben klingt nach fortwährendem Spurenwechsel. Der bekannte Musikpädagoge und Orff-Spezialist kam immer wieder an neue Orte, an denen er Projekte entwickelte und wirkt ganz so, als halte das fortwährende kreative Schaffen einfach ungeheuerlich jung.

Das Besondere an diesem Spurwechseltag

Monika Ziegler führte einfühlsam und kompetent durch diesen von Authentizität geprägten Abend. Ihre Podiumsgäste beeindruckten durch ihre Ehrlichkeit und das Publikum dankte ihnen mit ebenso genuinen Beiträgen.

Es hätte keine bessere Untermalung für diesen Abend geben können als die Musik vom hervorragenden Trio Drei D´Accord, das mit sich mit seiner gelungenen Mischung aus Jazz und Pop direkt in die Herzen der Menschen spielte.

Musik für die Seele vom Trio D´Accord: Franz Jetzinger, Agnes Schlaghaufer, Barbara Gasteiger
Musik für die Seele von Drei D´Accord: Franz Jetzinger, Agnes Schlaghaufer, Barbara Gasteiger Foto: Petra Kurbjuhn

An diesem Abend wurde nicht nur über Wandel gesprochen, er wurde gelebt. Er zeigte sich im respektvollen Umgang, im aufmerksamen Zuhören, im gemeinsamen Gestalten dieses inspirierenden Abends, an dem jeder Einzelne im Saal mitwirkte. So kann Transformation gelingen.

Info: Interessante Angebote gibt es auch innerhalb der Initiative Anders wachsen, die aus der Spurwechsel-Initiative entstanden ist. Hier können Sie sich über die nächsten Veranstaltungstermine zur Projektreihe Anders wachsen informieren: Kulturkalender.

Möchten Sie auch Ihre Lebensspur wechseln?

Jeden letzten Mittwoch im Monat treffen sich ganz unterschiedliche Spurwechsler zum Stammtisch. Interessantes finden Sie auch in der Broschüre zur Spurwechsel-Initiative.  Die nächste Gelegenheit zur Begegnung und zum Austausch ist bei einer Spurwechselwanderung am 5. Mai 2018, deren Abschluss bei Markus Bogner auf dem Boarhof stattfindet. Anmeldung für alle Spurwechsel-Aktivitäten unter: mz@kulturvision-aktuell.de oder Telefon 08020-9043094.

Das Buch von Markus Bogner „ Selbst denken, selbst machen, selbst versorgen“ finden Sie in seinem Hofladen am Boarhof in Holz oder in den Buchhandlungen der Region.

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