Sapere aude – wage zu denken!

Kolumne Fleisch

Schweine. Foto: Internet frei verfügbar

Sonntagskolumne

Ressourcen sparen, das wär’s. Auch oder gerade im Kleinen. Auf die Politiker schimpfen kann jeder, bei sich selber anfangen ist die größere Herausforderung. Die Autorin nimmt sie an – und je nachdem scheitert sie auch mal, fühlt sich wie der siegreiche David neben dem grossen Goliath oder amüsiert sich über ihre leidenschaftlichen Ambitionen, die Welt zu retten.

Vor einiger Zeit begegnete ich einem neuen Begriff, der mich sehr zufrieden stimmte. Nein, zufrieden war es doch nicht. Anders formuliert: Ich hatte den Eindruck, endlich einen Begriff gefunden zu haben für ein Phänomen, das bis dahin unbeschreibbar war – und das wiederum bereitete mir zumindest eine gewisse Befriedigung.

„Kognitive Dissonanz“ – so lautete der Begriff, den ich im Radio aufschnappte und mir die Erklärung dazu gleich nochmal zusammensuchte: cognoscere – erkennen; erfahren, dis – unterschiedlich; sonare – klingen. Damit wird in der Sozialpsychologie ein als unangenehm empfundener Zustand bezeichnet, der dadurch entsteht, dass ein Mensch mehrere Wahrnehmungen oder Gedanken hat, die nicht miteinander vereinbar sind.

Und die Theorie der „kognitiven Dissonanz“ besagt, dass der Mensch eine Neigung verspürt, diese Ambivalenz möglichst schnell zu reduzieren. Möglicherweise durch Verhaltensänderungen, vor allem aber durch Verdrängung.

Kolumne Fleisch

Plakat am Supermarkt. Foto: Anschi Hacklinger

Noch schnell die Leberkässemmel vom Metzger

DAS Beispiel schlechthin für kognitive Dissonanz ist die Leberkässemmel. Oder auch die Bratwurstsemmel auf dem Weihnachtsmarkt. Oder das Grillfleisch beim Sommerfest. Oder das Grillhendl auf der Wiesn. Jeder Deutsche konsumiert jedes Jahr 60 Kilogramm Fleisch im Jahr. Oder anders gesagt: Jedes Jahr werden in Deutschland 59,8 Millionen Schweine, 3,6 Millionen Rinder und 601 Millionen Hühner geschlachtet.

Kolumne Fleisch

Grillen als Lebensgefühl. Foto: Anschi Hacklinger

Beispiel Schwein: Der Anteil an Fleisch aus biologischer Erzeugung liegt bei ca. zwei Prozent. Das heisst umgekehrt: 98 % des in Deutschland erzeugten Fleisches stammt aus konventioneller Tierhaltung. Und das wiederum heisst, und da sollte man sich eben nichts vormachen: Massentierhaltung. Das Schwein, aus dem der Leberkäse wahlweise Grillfleisch produziert wurde, hatte ein fürchterliches „Leben“: Die 6 Monate lang bis zur Schlachtung beträgt der Lebensraum 1 Quadratmeter auf Spaltenböden in Gesellschaft von bis zu 10 000 anderen Schweinen. Diese unnatürlichen Haltungsbedingungen führen zu Krankheiten, Stress, Aggression, Tod.

Made in Germany? Völlig egal – Massentierhaltung ist sowohl in Bayern als auch in Deutschland der Standard, nicht die Ausnahme

Kolumne Fleisch

Alles aus Deutschland…..alles gut? Foto: Internet frei verfügbar

Jeder kennt die Bilder aus den Megaställen. Kaum jemand spricht sich PRO Massentierhaltung aus, das will niemand und finden alle schlecht. Beim Tierschutz sind wir ja auch ganz vorne dabei: Über 50 % der Deutschen besitzen mindestens ein Haustier. Und denen wiederum geht’s bestens: sie werden mit ausgesuchtem Futter gefüttert, mit Extranaschereien verwöhnt und zum Tierarzt gebracht, sobald ein Pfötchen weh tut. Die Deutschen sind ein Volk der Tierfreunde.

Aber sie unterscheiden extrem zwischen dem Hund, für den kein Aufwand gescheut wird, und dem Schwein, dem Huhn, dem Rind, das ihnen leider völlig egal ist.

Nein, dieses hier ist kein Aufruf zum veganen Lebensstil. Es ist extrem schwer, sich in allen Bereichen des Lebens „korrekt“ und nachhaltig zu verhalten, in puncto Essen, Kleidung, Mobilität etc. Aber es ist ein Aufruf, sich tatsächlich seines eigenen Verstandes zu bedienen und sich dem Wissen, Informationen, Gedanken und Paradoxien zumindest zu stellen und sie nicht zu verdrängen.

Und die Alternative?
Vielleicht einfach ein „weniger“. Sich über gut schmeckende Alternativen informieren und ausprobieren. Nicht an Gewohnheiten festhalten. Neugierig sein. Mal was anderes wagen.

Weitere Informationen finden Sie bei www.albert-schweitzer-stiftung.de

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