Vom Zwergerlaufstand beim Einkaufen

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Blick ins Süßigkeitenregal Foto: AH

Sonntagskolumne

Ressourcen sparen, das wär’s. Auch oder gerade im Kleinen. Auf die Politiker schimpfen kann jeder, bei sich selber anfangen ist die größere Herausforderung. Die Autorin nimmt sie an – und je nachdem scheitert sie auch mal, fühlt sich wie der siegreiche David neben dem grossen Goliath oder amüsiert sich über ihre leidenschaftlichen Ambitionen, die Welt zu retten.

Habe ich eventuell schon einmal erwähnt, dass Einkaufen mittlerweile eine echt anspruchsvolle Tätigkeit geworden ist? Zumindest dann, wenn man wie ich unbedingt der Meinung ist, dass es Herrn Nestlé und Firma Unilever auf jeden Fall interessiert (besser noch: ärgert!) ob die Anschi Hacklinger aus Weyarn deren Produkte kauft oder eben nicht. Die ganze Firma Nestlé ist aufgrund ihrer dreisten Wasserpolitik sowieso Feindbild par excellance, seit dem letzten Tierparkbesuch wurde mir das Ganze aber auch aus einer anderen Perspektive nochmal drastisch vor Augen geführt.
Immerhin gibt es aber auch einen waschechten Gewinner in meiner ganzen Boykottierei, jemanden, der die direkten Auswirkungen meines Konsumauswahlkonfliktes deutlich zu spüren bekommt. Aber dazu später.

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Infotafel im Tierpark Foto: AH

Warum Einkaufen mittlerweile einigermassen anspruchsvoll geworden ist, ist schnell erklärt. Bei den Milchprodukten wird Weihenstephan und Müllermilch (Steuerflüchtling, nicht gentechnikfrei) konsequent ignoriert, es kommt nur Andechser oder Berchtesgadener Land in Frage (ich bekunde durch den Kauf Solidarität mit den Bauern, ordentliche Entlohnung, gentechnikfrei oder möglichst noch bio ist die Devise). Und das Ganze in Pfandflaschen verpackt. Demnächst kann ich einen Heiligenschein mein Eigen nennen, nehme ich an.

Palmölplantagen statt Urwald

Tja, und bei Süßigkeiten, Eis, Keksen u.ä. wird’s dann schon schwierig, da kommt dann der Tierparkbesuch und die Orang-Utans ins Spiel. Was für faszinierende Tiere. Tiefgründiger Blick (eigentlich betrachtet er mich, nicht ich ihn) und – natürlich – sehr süße Babies. Kindchenschema schlägt zu, aber wie. Und neben dem Gehege die Infotafel: 3/4 des Urwaldes auf Sumatra, der Heimat der Orang-Utans ist mittlerweile abgeholzt und zu Palmölplantagen umfunktioniert worden – und die dort beheimateten Tierarten stehen allesamt auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten.
Es steht auch sehr klar daneben, wer dafür zuständig ist: die großen Lebensmittelkonzerne Unilever, Nestlé und einige mehr.

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Eisstand im Tierpark. Foto: AH

Bitter wird’s, als ich feststelle, dass die Eisstände im Tierpark – na was wohl – Mövenpickeis verkaufen. Die Firma Mövenpick gehört zu Nestlé. Ich schreibe eine Mail an den Tierpark und stelle währenddessen fest, dass sich in die Sponsorenreihe des Tierparks – na was wohl? – Nestlé einreiht. Greenwashing vom Feinsten. Auf Nachfrage wird mir mitgeteilt, dass sich der Tierpark regelmäßig von Nestlé mitteilen lässt, welche Fortschritte der Konzern in puncto Nachhaltigleit macht. Ach so! Dann ist ja alles gut.

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Aus der Zutatenliste einer x-beliebigen Kekspackung Foto: AH

Palmöl ist superpraktisch, weil es billig (tja, Freunde, billiger als einheimisches Rapsöl), geschmacklos und mit hervorragenden Streicheigenschaften ausgestattet ist. Kurz, überall, wo’s cremig wird, ist Palmöl drin. Nicht nur in Lebensmitteln, auch in Kosmetika, Kerzen u.v.m. Nutella, Kekse, Kaubonbons, gefüllte Schokolade… Wenn ich jetzt also vor dem Süssigkeitenregal und vor allem vor der Tiefkühltruhe mit Eis stehe, wird die Auswahl schon dünn. So gut wie jedes Eis enthält Palmöl; Langnese, Schöller, Vienetta und wie sie alle heissen gehören entweder zu Unilever oder Nestlé. Ich will aber kein Palmöl und mitbezahlen, wie anderswo systematisch alles zerstört wird! Aber Eis hätte ich schon gern und vor allem auch der 15-jährige Sohn braucht Süßigkeiten, da hilft alles nix.

Regional hergestelltes Eis

Der Deal mit ihm momentan lautet: richtig gutes, regional hergestelltes Eis anstatt palmölhaltigen Süßkram. Und immerhin – auch ihm schmeckt’s besser, sogar viel besser. Also eigentlich findet er meinen Zwergerlaufstand gegen Nestlé und Konsorten total super, sagt er.

Selbst für den unwahrscheinlichen Fall, dass es besagte Firmen doch nicht interessieren sollte, dass sie ihre Milliardenumsätze ohne mich machen müssen, kann ich es nur empfehlen: Es fühlt sich besser an. Für weitere Recherchen seien die firmeneigenen Homepages empfohlen… Nudeln von Buitoni, Wasser von Pellegrino, Fertigpizza von Wagner, Maggi, diverse Tiernahrung …die Liste ist lang. Bei utopia kann man sich über anders einkaufen informieren.

Hier geht es zu weiteren Sonntagskolumnen von Anschi Hacklinger:

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