Sichtbar machen, was unbeachtet ist

Blick in die Ausstellung, links Miesbachs Bürgermeisterin Ingrid Pongratz. Foto: Petra Kurbjuhn

Ausstellung in Miesbach

Die Auffassung von Kunst ist allen Künstlern gemeinsam: Sie wollen wahrnehmen und sichtbar machen, was andere Menschen unbeachtet lassen oder gar wegwerfen. Die Ehefrau des Künstlers Irnberg drückte es einmal so aus: „Aus wertlosen Fundstücken wertvolle Kunststücke gestalten.“ Im Foyer des Waitzinger Kellers war eine abwechslungsreiche Präsentation von sogenannter Upcycling Kunst zu sehen, nicht Recycling, sondern Up, also Wert steigernd.

Irnberg, der Künstler aus Wall, zeigte Materialbilder als Reliefs, er hatte ein Sammelsurium von unnützen zumeist metallischen Gegenständen fein in Rahmen hinein komponiert. In seinen neueren Arbeiten dreht er das Relief zum inversen Relief um, vorn ist die Ebene glatt, das Geschehen spielt sich im Hintergrund ab. Hier verwendet er Wellpappe, Weinflaschenverschlüsse, alte Zeitungen, um Hohlräume zu gestalten.

Der Gekreuzigte aus der Wurzel

In den Weissachauen wird Jürgen Thamm aus Kreuth fündig. Dort sammelt er Müll, aber auch Naturmaterialien, die er zu Figuren fügt. Aus einer Wurzel wird ein Gekreuzigter, aus einer Metallplatte wird eine Kirche. Zwei Metallteile hat er zur Installation „Die Liebenden“ zusammen gefügt und mit einer Kette umschlossen, weil „doch so viele Ehen geschieden werden“, wie er sagt.

„Reborn“ nennt Katharina Probst aus Valley ihre Stücke, die die Schneidermeisterin und Designerin aus alter Kleidung fertigt. Sie will hochwertige Stoffe und edle Verarbeitung bewahren und führt sie durch ihre Kreativität und Hinzufügen von Neuem, beispielsweise Spitze, einer Aufwertung zu.

Von der Schneefräse zerstört

Lisa Mayerhofer aus Miesbach hat ihren Fokus auf Alltäglichem, zuweilen Störendem. Sie sammelt Heftklammern, alte Schreibfedern und Samen. Diese fügt sie in Kompositionen so zusammen, dass zauberhafte Bilder entstehen. Aber auch Altholz, das verbrannt oder verrotten würde, rettet sie, schleppt es gar vom Berg und fertigt daraus beachtenswerte Kunststücke.

„Der Schattenmann“ heißt ein Doppelwerk von Klaus Gogolin aus Bayrischzell. Der Künstler hat ein altes gefundenes Stück Blech neu geformt und dazu als Schatten ein Bild gemalt. Ein von der Schneefräse zerstörter Teppich wurde zu einem Bild, ein anderes Stück Blech, bunt bemalt, zu einer „Comedia dell arte“.

Das neue Leben des Mülls

Tutti Gogolin sammelt Nespressokapseln, Katzenfutterdosen, abgebrannte Fackeln und Actimelflaschen. Daraus fertigt die Grafikerin Installationen und gibt dem eigentlichen Müll neues Leben durch ihre Ideen, die sie oft durch humorvolle Titel ergänzt.

Wertvolles Abfallholz aus der Schreinerei verarbeitet Florian Steiger aus Sauerlach zu seinen Designerstücken, Tische, Regale, Bretter, Gefäße. Die wie Intarsien wirkenden Stücke hat der Kulturwissenschaftler aus kompaktem Material zusammengefügt.

Die zahlreichen Gäste ließen sich interessiert die Ausstellungsstücke erklären und kamen selbst mit den beteiligten Künstlern ins Gespräch.

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