Schuberts bewegende Winterreise

Winterlandschaft - Winterreise Franz Schubert mit Sebastian Schober im Barocksaal Tegernsee

Winterlandschaft. Foto: Anewbist/Pixaby

Konzert in Tegernsee

Der Winter hat uns schon fest im Griff – was gibt es schöneres als Konzerte, die uns auf die Jahreszeit einstimmen? Tenor Sebastian Schober und Pianistin Oresta Cybriwsky gestalteten einen besonderen musikalischen Abend in Tegernsee.

Im ursprünglichen Speisesaal des Benediktinerklosters Tegernsee, heute bekannt als Barocksaal des Gymnasiums Tegernsee, wurde im Rahmen der „Schlosskonzerte Tegernsee“ zur musikalischen Reise eingeladen. Nicht zu irgendeiner, sondern zur bekannten „Winterreise“, die Franz Schubert im Jahr 1827, ein Jahr vor seinem Tod, ins Leben rief.

Sebastian Schober – musikalisch verankert am Tegernsee

Dafür, dass das Werk 190 Jahre nach seiner Entstehung immer noch die Menschen bewegt, sorgten der ausdrucksstarke Tenor Sebastian Schober und seine leidenschaftliche Partnerin am Klavier, Oresta Cybriwsky. Sebastian Schober ist den Menschen im Landkreis als Kulturschaffender ein Begriff und als langjähriger Leiter des Palestrina Mottetenchor Tegernsee nicht aus der musikalischen Landschaft des Tales wegzudenken.

Diesen Abend gestaltete er mit der vielseitigen Musikerin Oresta Cybriwsky, die sich sowohl in der Liedgestaltung als auch seit ihrem fünften Lebensjahr am Klavier zuhause fühlt. Die tiefe Zusammenarbeit mit Menschen ist ihre Leidenschaft und wenn man diese beiden Künstler zusammen hört, weiß man, warum sie sich gefunden haben.

Sebastian Schober und Pianistin Oresta Cybriwsky

Tenor Sebastian Schober und Pianistin Oresta Cybriwsky. Foto: KN

Die beiden hatten sich zur ersten Lesung des Werkes vor einem Jahr getroffen. Darauf folgten gemeinsamen Proben in München und im letzten Vierteljahr wurde die Vorbereitung dann sehr intensiv. Das Publikum war vom Ergebnis begeistert. Schon bei den ersten Klängen des Konzerts war hörbar, dass sich hier zwei authentische Künstler gefunden hatten. Sebastian Schober, ausdrucksstark und intensiv in jeder Sekunde dieses außergewöhnlichen Konzerts, im Spiel mit Oresta Cybriwsky, die die hohen Anforderungen des Werks so souverän meisterte, dass sich ihre Zuhörer gestrost dem puren Genuss der intensiven Klänge und Gefühle hingeben konnten.

Bekanntester Liederzyklus der Romantik

Es gibt viele Interpretationen dieses Liederzyklus, der einer der bekanntesten der Romantik ist. In seinem Mittelpunkt steht der Wanderer, der von überschwänglicher Freude bishin zur hoffnungslosen Verzweiflung wohl alle Gefühlszustände durchmacht, denen auch wir in unserer modernen Welt ausgesetzt sind.

Die Zuschauer hingen in jedem Moment an den Lippen des Tenors. Er trug sie durch Dur und Moll, durch freudige Höhen und unendliche Tiefen. Seine technische Präzision erschien so selbstverständlich wie seine Mimik und Gestik, die sich im perfekten Einkland mit seiner Stimme bewegten.


Pianistin Oresta Cybriwsky und Tenor Sebastian Schober im Barocksaal Tegernsee. Foto: Karin Sommer

„Musik kann heilen, weil sie sich über das Denken erhebt“, kann man auf der Webseite von Oresta Cybriwisky nachlesen und genau dies war spürbar an diesem Abend. Mühelos bewegte sie sich zwischen den einzelnen, so unterschiedlichen Passagen des Liederzyklus und nahm das Publikum mit auf die Reise, ließ es die wiederkehrenden Gedanken vergessen, um sich der Erfahrung einer unbekannten Reise hinzugeben.

„Eine Strasse muss ich gehen, die noch keiner ging zurück“ singt Sebastian Schober, wird eins mit der ihn begleitenden Klaviermelodie und wir alle spüren, was damit gemeint sein könnte.

Subtile Kritik an politischer Weltsituation

Einige der vielen Deutungen des Liederzyklus gehen auch in eine politische Richtung. Schubert könnte subtile Kritik am herrschenden System unter Kanzler Metternich geübt haben. Beim letzten Lied „Der Leiermann“ kann ich nicht anders, als an die momente politische Weltsituation zu denken.

„….barfuss auf dem Eise wankt er hin und her. Und sein kleiner Teller bleibt ihm immer leer. Keiner mag ihn hören, keiner sieht ihn an, und die Hunde knurren um den alten Mann….“ Auch in diesem Augenblick dringt die Intensität der beiden Künstler, die Dichte der Worte und die Dringlichkeit der Komposition in die Zuhörer ein und künden das zu schnell gekommene Ende der gemeinsamen Reise an.

Tosender und reichlich verdienter Applaus für Oresta Cybriwisky, Sebastian Schober und Franz Schubert!

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