Münchens Pariser Salon

Jean-Léon Gérôme (1824-1904): Junge Griechen beim Hahnenkampf, 1846, Musée d’Orsay.

Jean-Léon Gérôme (1824-1904): Junge Griechen beim Hahnenkampf, 1846, Musée d’Orsay. Foto: © bpk / RMN – Grand Palais / Stéphane Maréchalle

Ausstellung in München

Endlich einmal wieder klassische Malerei? „Gut. Wahr. Schön.“ heißt derzeit eine Ausstellung in der Kunsthalle in München. Zu sehen sind Meisterwerke des Pariser Salons aus dem Musée d’Orsay. 

Die Ausstellungen in der Kunsthalle der Hypovereinsbank in München sind immer groß, fast pompös, oftmals geradezu spektakulär. Ob es nun Enfant terrible Jean Paul Gaultier (2016) oder die fotografische Werkschau des Wegbereiters der modernen Modefotografie Peter Lindberg (2017) war.

Georges Rochegrosse (1859-1938): Der Ritter (Parsival) und die Blumenmädchen, 1894, Musée d’Orsay.

Georges Rochegrosse (1859-1938): Der Ritter und die Blumenmädchen, 1894, Musée d’Orsay. Foto: © bpk | RMN – Grand Palais | Hervé Lewandowski

Aufwändig werden die Räume jeweils neu gestrichen, in Farbstimmungen, welche die Ausstellungen charakterisieren und widerspiegeln. Im Augenblick sind die Wände und Gänge in dunklen Rottönen gehalten und in sattem, gedecktem Blau. Das Jahr geht zu Ende in der Kunsthalle der Hypovereinsbank mit einer angenehm unaufgeregten Ausstellung klassischer Historienmalerei. Sie beeindruckt durch ihre Akribie und Präzision, die Motivwahl und ihre Anlehnung an Architektur und Dekor.

Antikem Schönheitsideal verpflichtet

Das Interesse der Kunstgeschichte galt bislang vor allem den Avantgardebewegungen, wie dem Impressionismus. Zeitgleich fand jedoch im 19. Jahrhundert jährlich der »Salon de Paris« statt. Er war die größte und bedeutendste Ausstellung des internationalen Kunstbetriebs und das gesellschaftliche Ereignis par excellence. Diesem weniger beachteten Teil der Weltkunstgeschichte des 19. Jahrhunderts widmet sich die Ausstellung „Gut. Wahr. Schön.“ – Genau diesen Eigenschaften und dem antiken Schönheitsideal verpflichtete sich der »Salon de Paris«.

Etienne Gautier (1842-1903): Die tote Cäcilia (von Rom), 1878, Musée d’Orsay. in der Kunsthalle München
Etienne Gautier (1842-1903): Die tote Cäcilia (von Rom), 1878, Musée d’Orsay. Foto: © bpk | RMN – Grand Palais | Patrice Schmidt

Eine strenge Jury bestimmte, welche Werke gezeigt werden durften. Die Künstler sollten das Gute und Wahre in der Schönheit der Form zum Ausdruck bringen. Diese klassische akademische Norm war allerdings mit der modernen Lebenswelt schwer in Einklang zu bringen. Noch schwerer, weil der Impressionismus und die Avantgardebewegungen die moderneren, aufregenderen und aufsehenerregenderen Kunstformen wurden.

Spannungsfeld zwischen Klassik und Avantgarde

In diesem Spannungsfeld zwischen Klassik und Avantgarde schufen französische Maler Werke, die im Salon gefeiert, aber auch kontrovers diskutiert wurden. Obwohl diese Künstler zu den berühmtesten und einflussreichsten ihrer Zeit zählten, sind sie heute kaum bekannt. Anhand von über 100 Gemälden, Skulpturen, Zeichnungen und kunsthandwerklichen Objekten aus dem Musée d’Orsay rückt die Ausstellung nun die Maler des Salons in den Fokus.

Rom-Studien im Pariser Salon

Die Ausstellung gliedert sich in sieben Kapitel. Das erste Kapitel zeigt den Weg, den ein junger Künstler im Paris des 19. Jahrhunderts einschlagen musste, um ›salonfähig‹ zu werden. Eine Karriere startete mit dem Kunststudium an der École des Beaux-Arts. Höchstes Ziel war der »Grand Prix«, ein bis zu fünfjähriges Rom-Stipendium. Die Ausstellung zeigt Skizzen und in Rom entstandene Werke, die zur Begutachtung nach Paris geschickt und im Salon ausgestellt wurden.

Jean-Paul Laurens (1838-1921): Die Exkommunikation Roberts des Frommen, 1875, Musée d’Orsay, Historienmalerei in der Kunsthalle München
Jean-Paul Laurens (1838-1921): Die Exkommunikation Roberts des Frommen, 1875, Musée d’Orsay. Foto: © bpk | RMN – Grand Palais | Hervé Lewandowski

Im Zentrum der Maler- und Bildhauerausbildung stand die Wiedergabe der menschlichen Figur samt Aktstudium: Die Darstellung des Menschen als heroischer Sujets. Szenen aus der antiken Mythologie oder der biblischen Geschichte bildeten die Themen der Historienmalerei. Historische und christliche Szenen oder Allegorien gehörten fest zur Ausstattung zahlreicher staatlicher Gebäude. Doch hinter den Fassaden bröckelte bereits das Ansehen der Historienmalerei.

Waren die Götter und Helden der antiken Mythologie, die Heiligen des Christentums noch zeitgemäße Vorbilder in der modernen Welt? In einer industrialisierten, verwissenschaftlichten Gesellschaft kamen Zweifel an der Einlösbarkeit des traditionellen Kunstideals auf. Die Historienmalerei bedurfte dringend einer neuen Ausrichtung.

Erneuerung der Historienmalerei

Die Ausstellung nimmt die überraschend vielfältigen künstlerischen Strategien in den Blick, mit denen die Maler die Erneuerung voranbrachten. Aus der Krise des männlichen Helden zogen sie die Konsequenz, der Figur generell nur eine Nebenrolle zuzuweisen.

Die Erneuerung der Historienmalerei wird in den letzten beiden Kapiteln in zwei Räumen aufgegriffen. Jules Bastien-Lepage (1848–1884) wandte das akademische Erbe auf eine
Freilichtmalerei lokaler, ländlicher Sujets an. Damit wurde er zu einem einflussreichen
Vertreter des Naturalismus.

Jules Bastien-Lepage (1848-1884): Die Heuernte, 1877, Musée d’Orsay., Ausstellung Historienmalerei in der Kunsthalle München
Jules Bastien-Lepage (1848-1884): Die Heuernte, 1877, Musée d’Orsay. Foto: © bpk | RMN – Grand Palais | Hervé Lewandowski

Gustave Moreau (1826–1898) und Puvis de Chavannes bereiteten mit ihren Werken den Boden für die symbolistische Strömung. Sie forschten nach einer Wahrheit jenseits des Darstellbaren und verliehen dem Historienbild mit rätselhaften und geheimnisvollen Elementen eine ganz neue Atmosphäre.

Die Ausstellung „Gut. Wahr. Schön. – Meisterwerke des Pariser Salons aus dem Musée d’Orsay“ ist noch bis zum 28. Januar 2018 in der Kunsthalle in München zu sehen. Weitere Infos entnehmen Sie bitte der Webseite der Kunsthalle.

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