Musik und Texte zur Passion

Passion

Blick in die Segenskirche. Foto: Elisabeth Neuhierl

Musikalische Lesung in Holzkirchen

Gefühlvolle Musikstücke, moderne Geschichten zum Nachdenken sowie Texte und Verse aus der Bibel boten den Besuchern in der gut besetzten evangelischen Segenskirche in Holzkirchen die Möglichkeit, sich während der Fastenzeit intensiv auf das Thema „Passion“ einzulassen.

Harfe und Hackbrett als Symbiose

Die Otterfingerin Lisa Schöttl am Hackbrett gestaltete gemeinsam mit der aus Bad Tölz stammenden Harfinistin Christine Horter das Rahmenprogramm der Lesung. Virtuos gespielte, fast himmlische Töne entlockten die beiden Künstlerinnen ihren Instrumenten. Neben traditioneller irischer und osteuropäischer Musik erklang mit der Improvisation einer Arie von Giulio Caccini (1550-1618) und dem Largo aus der Sonate in G-Dur von Melchior Chiesa (1740-1799) feinste barocke Instrumentalmusik. Als herausragend erwies sich die Interpretation mit Tenorflöte und Harfe der berühmten Arie „Ombra mai fu“ aus Georg Friedrich Händels Oper Xerxes von 1738. Innige und tiefe Ergriffenheit im Publikum.

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Lisa Schöttl und Christine Horter. Foto: Elisabeth Neuhierl

Von Thomas Mann bis Martin Luther King

Monika Heppt trug einen kurzen Text von Thomas Mann vor. Der Schriftsteller wurde einmal gefragt, woran er glaube und was er am höchsten stelle. Seine Antwort gab er, der Meister der seitenlangen Sätze und ausschweifenden Erklärungen, äußerst knapp und eindeutig. Es sind „Die Vergänglichkeit und die Zeit“. „Die Vergänglichkeit ist die Seele des Seins, ist das, was allem Leben Wert und Würde verleiht, denn sie schafft Zeit. Und Zeit ist die höchste, nutzbarste Gabe…..in ihrem Wesen verwandt, ja identisch mit allem Schöpferischen und Tätigen…“

Eine Geschichte zum ersten Passionssonntag, genannt „Invokavit“ (= „Er hat gerufen“) führte das Problem vieler moderner Menschen vor Augen: nicht mehr beten zu können. Kindergebete funktionieren nicht mehr. Das Vaterunser will erst wieder gelernt werden. Warum also nicht „joggen und beten“ miteinander verbinden?

Einfühlsam, beeindruckend, an die Leidensfähigkeit, die Passion gehend, war der Text von Dietrich Bonhoeffer, dem großen evangelischen Theologen. Seine Frage „Wer bin ich?“ stieß ans Existentielle, an das Leben und Sterben jedes Einzelnen. Atemlose Stille im Raum.

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Monika Heppt und Hans-Wolfgang Nerb. Foto: Elisabeth Neuhierl

Mit dem Text „Verurteilt“ von Martin Luther King setzte Hans-Wolfgang Nerb ein besonderes Zeichen. Nicht die Verurteilung durch die weltliche Macht steht im Vordergrund. Nein, es ist der Stolz auf das „besondere Verbrechen“, dessen sich King schuldig gemacht hat. Gewaltloser Protest gegen Ungerechtigkeit, Freiheit und das Streben nach Glück. „Vor allem war mein Verbrechen, dass ich mein Volk davon zu überzeugen suchte, dass die Nichtbeteiligung am Bösen ebenso eine moralische Pflicht ist wie die Beteiligung am Guten“. Ein wirklich beeindruckender Text.

Märchen helfen zu verstehen

Eine Segensgeschichte von Susanne Niemeyer wurde von Monika Heppt gelesen. „Spiegelmoment“ ist ein modernes Märchen. Es erzählt vom Hier und Heute, von einer Frau auf der Suche nach Gott und dem wahren Leben. Es berichtet von Geboten und Verboten, von Verunsicherung, Hoffnung und Wünschen und von Gott, der sie besucht am Aschermittwoch. Der ihr den Spiegel ihres Lebens vorhält, so dass sie sich selbst erkennen kann. „Plötzlich dachte ich: Kann es sein, dass es das ist, was er will? Mein Wohl? Das und nichts anderes?“ Da umfing sie nichts als Wärme.

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Die vier Mitwirkenden in der Segenskirche. Foto: Elisabeth Neuhierl

Eindrücklich gestaltete Nerb das russische Märchen „Wie der Dieb ins Himmelreich gelangte“. Gespanntes Zuhören, aber auch durchaus gelöste, fast heitere Reaktionen im Publikum, als klar wurde, wie es der Dieb ins Himmelreich schaffte: nämlich mit einer Art Erpressung des Evangelisten Johannes. „Wenn du mich nicht auf der Stelle ins Himmelreich einlässt…., sage ich den Menschen auf der Erde, dass ihr im Evangelium die Unwahrheit geschrieben habt.“

Nach dem Psalm „Der Herr ist mein Hirte“ dankten Christiane Brunner und Joseph Brunnhuber vom Arbeitskreis Ökumene den Mitwirkenden und schafften es, die beiden phänomenalen Musikerinnen zu einer wunderbaren Zugabe zu überreden. Dabei versprachen sie, das Format einer musikalischen Lesung in der Fastenzeit auch in den folgenden Jahren weiterführen.

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