Intelligent mit Emotionen umgehen

Dr. Monika Ziegler beim Vortrag in Holzkirchen.

Dr. Monika Ziegler beim Vortrag in Holzkirchen. Foto: Ines Wagner

Vortrag in Holzkirchen

Spannender Vortrag mit provokativem Titel: „Was nützt ein hoher IQ, wenn man ein emotionaler Trottel ist?“ Monika Ziegler von KulturVision e.V. unterstützt mit zwei Beiträgen die Reihe „Künstliche Intelligenz“ der VHS Holzkirchen. Doch was versteht man unter emotionaler Intelligenz?

Die gute Nachricht vorab: Emotionale Intelligenz ist erlernbar. Aber wie? Die Kernfrage des Vortragsabends war: Wie können wir intelligent mit unseren Emotionen umgehen? Die promovierte Physikerin hält seit 20 Jahren Vorträge auf diesem und ähnlichen Gebieten. Das Thema passt gut zur „Anders wachsen“-Initiative von KulturVision. Ein gelingendes Leben zu führen und die Gesellschaft auf dem Weg in eine enkeltaugliche Zukunft zu stärken erfordert, dass wir Verstand und Gefühl einsetzen.

Von Platon bis zur Stellenausschreibung

Ihren lebendigen und mitreißende Vortrag startete Monika Ziegler mit einem Exkurs in die Philosophie. Das „Erkenne dich selbst“ Platons ergänzte Friedrich Nietzsche etwa 2500 Jahre später mit „…und werde der, der du bist.“ Nicht Selbstoptimierung im Sinne der Leistungssteigerung war und ist damit gemeint, sondern die „Veredelung“ des Charakters.

Jedem ist heute der Begriff „Soft Skills“ geläufig – sie werden im Beruf gefordert. Auch damit ist Emotionale Intelligenz gemeint. Ein hoher IQ allein reicht nicht.

Das Gehirn ist plastisch

Da Gehirnforscher bewiesen haben, dass das Gehirn plastisch und formbar ist, besteht Hoffnung auch für „emotionale Troddel“. Neurobiologe Gerald Hüther beschreibt in etwa, dass der Mensch in seinen Gewohnheiten und Reaktionen breite Autobahnen befahre. Werden sie erkannt, können sie verändert werden, können auch neue Pfade zu Autobahnen ausgebaut werden. Monika Ziegler sagt dazu „üben, üben, üben“. Und natürlich muss eine Erkenntnis da sein und ein Wille.

Die Wissenschaft unterscheidet drei Arten von Intelligenz:

  • die emotionale Intelligenz
  • die soziale Intelligenz
  • die ökologische Intelligenz

Der Schlüssel zur emotionalen Intelligenz liegt im „Mandelkern“, einer Stelle im vorderen Hirn. Das ist unser emotionaler Wachposten. Er ist unmittelbar mit dem Thalamus verbunden. Passiert uns etwas Außergewöhnliches, leitet der Mandelkern reflexartig zum Thalamus und wir reagieren ohne zu denken. „Bremse!“, „Arschloch“ oder „lauf weg“ sind solche Kurzschlussreaktionen. Handeln ohne Nachzudenken ist die Folge. Überreagieren, ausrasten, was wir eigentlich nicht wollen und später oft bereuen. Hier kann man ansetzen und neue Autobahnen im Gehirn anlegen. Weil wir nicht nur das Reptilhirn besitzen, sondern dazu noch die Fähigkeit zum Denken.

Emotionale Intelligenz trainieren

Wir haben immer die Möglichkeit uns für oder gegen etwas zu entscheiden. Wenn wir unsere emotionale Intelligenz trainieren wollen, können wir uns die Plastizität des Gehirns zunutze machen.

In der Praxis gibt es viele Beispiele, in der uns eine gute emotionale Intelligenz zu einem gelingenderen Leben hilft. Zum Beispiel bei Trauer, Konflikten, Angst. Man kann lernen, mit den Emotionen umzugehen. Für alle Fälle gibt es verschiedene Möglichkeiten und unter ihnen Königswege, so Monika Ziegler.

Bei Zorn und Wut hilft die Impulskontrolle. Bei Trauer kann es hilfreich sein, sich in eine andere Perspektive zu begeben. Bei Angst hilft es, den Verstand einzuschalten und sich in die Achtsamkeit und Gelassenheit zu begeben. „Wenn ich etwas nicht ändern kann, muss ich mir Gelassenheit antrainieren“, erläutert die Referentin.

Achtsames Zuhören ist Grundvoraussetzung

Nicht nur beim eigenen Handeln, sondern auch im Miteinander mit dem Anderen ist emotionale Intelligenz wichtig. Hier geht es vor allem ums achtsame Zuhören.

„Das größte Kommunikationsproblem ist, dass wir nicht zuhören, um zu verstehen, sondern zuhören um zu antworten.“

Wege zu einem höheren emotionalen Quotienten (EQ) gibt es viele, beispielsweise:

  • Selbst- und Fremdwahrnehmung prüfen
  • Gefühle wahrnehmen und erkennen
  • Impulskontrolle
  • Umgang mit Kritik
  • Optimismus antrainieren
  • in Aufgaben aufgehen, in einen Flow kommen
  • Affirmationen

Ein hoher EQ hilft uns in vielen Bereichen des Alltags, ein gelingenderes Leben zu führen. Die Referentin ging detailliert auf Partnerschaft, Beruf, Medizin und Erziehung ein.

„Fügen wir unserem hoffentlich hohen IQ einen hohen EQ hinzu“, forderte Monika Ziegler die Zuhörer des Vortrages auf, „ wir wissen, dass und wie es geht.“

Mehr Interesse an Neurobiologie? Hier sind weitere Artikel zum Thema:

 

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