Märchenhaft beredt

Die Sprecherwerker Barbara Greiner-Burkert und Karin Wedra

Den Brüdern Grimm aus dem Gesicht geschnitten: Die Erzählerinnen Barbara Greiner-Burkert und Karin Wedra. Foto: Anja Gild

Freimündliche Erzählungen untermalt mit Gitarrenklängen

Kein Buch, kein Blatt, kein Bild: Die Sprecherwerker Barbara Greiner-Burkert und Karin Wedra entführen ihr Publikum mit sicherer Sprache in die Welt der Märchen und Sagen. Mit dabei ein Gitarrentrio – so recht verzupft.

Es ist diese Unmittelbarkeit – kein Buch, kein Blatt, kein Bildschirm. Nichts zwischen den Menschen auf der Bühne und dem Publikum. Nur Schall und Wellen. Es ist der Zauber des freimündlichen Erzählens, der sich am Mittwoch Abend an den Otterfinger Kulturtagen über die Schaulaula legte. Mit den Sprecherwerkern und dem Gitarrentrio Verzupft. Mit dem Programm „Hexen – Hölle – Handwerksburschen“ touren die Erzählerinnen Barbara Greiner-Burkert und Karin Wedra gemeinsam mit den Gitarrenvirtuosen Doris Leibold, Thomas Kohl und René Senn durch die Lande. Die Idee: Traditionell regionale Märchen und Sagen frisch interpretieren.

Sprechwerker erzählen gegen die Hektik

Nichts lenkt ab, nur das Erzählen, untermalt von alpenländischen Gitarrenklängen, steht im Raum. Beim freimündlichen Erzählen entspinnt sich zwischen Erzählerinnen und Zuhörern eine intensive Beziehung. Unverstellt, unmittelbar. Die Erzählerinnen nehmen Kontakt mit dem Publikum auf, sprechen es an, beziehen es ein. Das Publikum hört aufmerksam zu, es entstehen Bilder im Kopf, Erwartungen an den Verlauf und das Ende der Geschichte – und wehe, es wird anders. Dann das Erstaunen, das Lachen. So wird der Abend zu einer beredten Stille. Zu einem Miteinander im Erzählen und Zuhören. Tut gut, die Ruhe in der Hektik einer sonst von Medien dominierten Zeit.

Erzählduo Sprecherwerker : Barbara Greiner-Burkert und Karin Wedra
Erzählduo Sprechwerker – Barbara Greiner-Burkert verführt als gehörnter Teufel „die kluge Gretel“ zu diebischen Naschereien. Foto: Anja Gild

Sprechwerker: Erzählen ganz ohne Beiwerk

„Die Kunst des Erzählens gewinnt in der Öffentlichkeit langsam an Aufmerksamkeit“, sagt Barbara Greiner-Burkert. Die Erzählkreise gibt es schon lange – sie selbst erzählt schon seit 16 Jahren, leitet Seminare zum Thema Erzählen und engagiert sich in der Jugendarbeit. Sie und ihre Erzählkollegin Karin Wedra stehen auf der Bühne – ganz ohne Beiwerk, mit nichts als der Geschichte im Kopf, der Gestik und dem sicheren Vertrauen auf die Kraft der eigenen Sprache. Es gibt Erzähler, die mit Gegenständen erzählen. Es gibt welche, die mit Schauspiel eine Märchen versinnbildlichen. Nicht so die Sprechwerker. Sie sind Erzählerinnen. Punkt. Die eine, Karin, mit einer warmen, angenehmen Altstimme. Ruhiger, mehr Pausen im Erzählvorgang, mehr die besinnlich, melancholischen Geschichten: Das erloschene Licht, die ledige Trud, Frau Holles Apfelgarten. Die andere aufgeregter, temperamentvoller und prädestiniert für die eher witzigen, frechen Märchen und Sagen: Der Schmied von Mitterbach, der Handwerksbursch, der Teufel mit den jungen Mädchen. Erst erleben die Zuhörer jede Erzählerin mit ihren je eigenen Stimmungen. Und dann das Erzählduo mit verteilten Rollen in der Geschichte „Das kluge Gretel“ von den Brüdern Grimm. Ein perfektes Duo, Temperamente und individuelle Erzählweisen fügen sich bestens zusammen.

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Ganz unverzupft – das Gitarrentrio Verzupft begleitet die Sprechwerkerinnen einfühlsam mit alpenländischen Saitenklängen. Foto: Anja Gild

Feines Klangwerk zwischendurch

Und immer wieder die musikalische Pausen im Meer der vielen Worte. Das Gitarrentrio Verzupft steht in der Dreierkonstellation seit 2013 gemeinsam auf der Bühne. Das Trio komponiert selbst und arrangiert Musikstücke für drei Gitarren oder zwei Gitarren und Diatonische. Für das Programm mit den Sprechwerkern wählten sie bewusst Themen und Rhythmen aus dem alpenländischen Klangrepertoire – zart und gefühlvoll teils die Geschichten mitten im Erzählen begleitend. Ob die Erzählungen sich auf das musikalische Spiel auswirken? „Natürlich haben wir Musiker die Bilder der Erzählungen und die Stimmungen im Kopf – das wirkt sich sicherlich auf das Spiel aus.“ Aber im Grunde, so Doris Leipold, stehen die Stücke für sich selbst und könnten auch in einem anderen Zusammenhang gespielt werden. Am Ende gingen die Zuhörer aus dem Saal – zur inneren Ruhe gekommen und beseelt mit Geschichten aus uralten Zeiten.

Weitere Infos zu den Veranstaltungen der Otterfinger Kulturwoche finden Sie hier.

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