Mit Seelsorge und Kunsttherapie 100 Jahre alt werden

Kunst im Seniorenheim Rupertihof

Gemeinschaftsbild der Künstlerinnen am Seniorenstift Rupertihof: Theresia Neuber, Toni Haar, Erica Friedrich-Kerkow, Ingrid Schilling, Gerda Döring, Doris Engel, Gertrud Hoffmann mit Angelika Stauber. Foto: IW

Ausstellung in Rottach-Egern

Anderthalb Jahre lang hat Altenheim-Seelsorgerin und Kunsttherapeutin Angelika Stauber mit sieben Bewohnerinnen des Rupertihofes gemalt. Berührende „Seelenbilder“ sind entstanden aus Lebenserfahrungen, Träumen und Geheimnissen. Jetzt bildet eine Ausstellung den krönenden Abschluss.

Ingrid Schilling sei immer wieder auf sie zugekommen, sagt Angelika Stauber, mit der Anregung und Bitte, ihre beiden Begabungen zu vereinen: Die Seelsorge und die Kunsttherapie. „Mach etwas gemeinsam mit uns“, regte die inzwischen 96-Jährige an. Das KWA Stift Rupertihof bot schließlich den geeigneten Rahmen. Die Leiterin des Hauses Lisa Brandl-Thür unterstützte die Idee, ebenso wie Monsignore Walter Waldschütz, der den Rupertihof als seelsorgender Pfarrer betreut. Und der Satz von Pater Notker Wolf scheint sich zu bewahrheiten: „Älterwerden fängt im Kopf an und jung bleiben auch“. Kunst im Seniorenheim hält offenbar jung. Das zeigt jetzt die Ausstellung ganz deutlich.

Ingrid Schilling - Kunst im Seniorenheim Rupertihof
Ingrid Schillings Bilder regen die Fantasie an. Foto: IW

„Wir können doch nicht nur hier sitzen und jammern, was alles nicht mehr so gut geht“, meinte Ingrid Schilling. Das gemeinsame Malen habe nicht nur die Gemeinschaft gestärkt und die Unterschiede verschwinden lassen. Es sei wunderbar, immer wieder etwas Neues zu tun, etwas hinzuzulernen. „Jetzt bin ich sicher, ich will noch nicht so bald sterben“, sagt sie. Und auch die anderen Künstlerinnen pflichten ihr bei. Das Malen hat etwas bewirkt. Da ist wieder etwas Anspruchsvolles, das die Aufmerksamkeit fordert, in dem man sich lebendig fühlt, erinnert, Gemeinsames erlebt und teilt.

Gerda Döring - Kunst im Seniorenheim hält jung
Gerda Dörings Bilder erzählen farbenfrohe Geschichten aus ihrem reichen, 99-jährigen Leben. Foto: IW

Gerda Döring wird im September einhundert Jahre alt. Man sieht es ihr nicht an und ihrem Pinselstrich ebenso wenig. Etwas Gold hat sie verwendet, auch ein Riss ziert eines Ihrer Nass-in-Nass-Aquarelle. Sieben Figuren schreiten durch das Bild, sieben wichtige Menschen ihn ihrem Leben. Erica Friedrich-Kerckow war zeitlebens Künstlerin. Statt japanischer Kaligrafien mit schwarzer Tusche hat sie nun farbenfrohe Aquarelle gemalt. In Toni Haars Leben haben Katzen eine Rolle gespielt. Auch die anderen Frauen erzählen in leuchtenden Farben Geschichten, die sie aus dem Verborgenen emporgehoben haben wie Schätze. Gott hat ebenfalls seine Spuren in den Bildern hinterlassen, der Glaube.

Toni Haar: Nasss-in-Nass Aquarell
Toni Haar: Nass-in-Nass Aquarell mit Katzen. Foto: IW

Im Malen Spuren hinterlassen

Die Ausstellung setzt einen Punkt hinter die anderthalb Jahre, in denen sich Angelika Stauber und die sieben Frauen zweimal monatlich zum Malen getroffen haben. „Im Malen Spuren hinterlassen“ ist der Untertitel der Ausstellung „Seelenbilder“. Sie zeigt, wieviel Leben in einem Seniorenstift ist.

„Lebendiges, volles Leben, vielleicht in einer anderen Taktung“, beschreibt es Theologe und Autor Alfred Rott in seiner Eröffnungsrede zur Vernissage. Die Bewohnerinnen schöpften aus ihrem reichen Leben und hätten sich während ihrer Arbeit mit Pinsel, Farben und Pastellkreiden entwickelt und dabei das freie Gefühl und freie Arbeiten genossen.

Kunst im Seniorenheim KWA Stift Rupertihof
Theologe und Buchautor Alfons Rott in während der Einführung in die Ausstellung „Seelenbilder“. Foto: IW

Kunst im Seniorenheim regt den Kopf an und öffnet Herz und Seele

Die Themen drehen sich um das Leben der Frauen zwischen 76 und 99 Jahren: Angenommensein, Gelassenheit, Vertrauen in die nahestehenden Menschen und in Gott. Und nicht nur das Malen selbst hat etwas in ihnen verändert – auch die begleitenden Gespräche mit Angelika Stuber. Dass sie in sich beide Bereiche vereinigt – die Seelsorge und die Kunsttherapie – ist das Wesentliche.

Gertrud Hoffmann vor ihren farbenfrohen Bildern.
Gertrud Hoffmann vor ihren farbenfrohen Bildern. Foto: IW

Die „Seelenbilder“ seien entstanden, weil sie nicht nur einfach dahingemalt sind, sondern wirklich der Seele entsprungen, meinte Alfons Rott anerkennend. Die sieben Bewohnerinnen des Seniorenstiftes haben nicht nur im Malen Spuren hinterlassen, sondern auch den roten Faden des Lebens an einigen Stellen wiedergefunden und wieder aufgenommen.

Die Ausstellung „Seelenbilder“ des Kunstprojektes mit Bewohnerinnen im KWA Stift Rupertihof wird bis etwa Ende Juni zu sehen sein.

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