Kultur verbindet: Nacht der Kraniche in Rosenheim

Moderator Andreas Schantz (Kulturforum Rosenheim), Emanuel Aronson Rund (Regisseur) und Monika Hauser-Mayr (Leiterin Städtische Galerie Rosenheim) diskutieren mit weiteren Gästen das Thema „Kultur verbindet“ in der Städtischen Galerie-Rosenheim

Andreas Schantz (Kulturforum), Emanuel Aronson Rund (Regisseur), Monika Hauser-Mair (Leiterin Städtische Galerie) v.l. Foto: Ines Wagner

Thementag im der Städtischen Galerie Rosenheim

Das Jahresthema des Kulturforum Rosenheim e.V. ist „Kultur verbindet“. Als Symbol steht der Kranich – als Zugvogel und „Weltbürger“. Es wurde gebastelt, gelesen und diskutiert: Ist Kultur sowohl verbindendes und auch trennendes Element? Was kann die Kultur leisten?

Am Eingang der Städtischen Galerie Rosenheim hingen Papierkraniche in fröhlichen Farben, schwebten an leichten Fäden. Zum Basteln hatte das Kulturforum Rosenheim e.V. und die Städtische Galerie eingeladen. Der Kranich ist ein echter Weltbürger, ist in verschiedenen Kulturen zu Hause und genießt als Glücksbringer höchste Wertschätzung. Und was hat das mit Kultur zu tun? Wie kann Kultur die Kulturen der Welt verbinden? Und kann sie das überhaupt?

Podiumsdiskussion „Kultur verbindet“

Mit dieser Frage beschäftigten sich Kulturschaffende, Kunst- und Kulturinteressierte unter Moderation von Andreas Schantz vom Kulturforum Rosenheim e.V. Nicht auf dem Podium, sondern vielmehr auf der Couch der gemütlichen Leseecke der Städtischen Galerie saßen: Regisseur Emanuel Rund, die Leiterin des Hauses Monika Hauser-Mair, Irene Durukan vom Verein Mut & Courage e.V. in Bad Aibling, sowie Ines Wagner als Vertreterin von KulturVision e.V. aus dem Landkreis Miesbach. Gemeinsam wurde mit den Gästen in lockerer Runde munter darüber diskutiert, was Kultur an Verbindendem leisten kann.

Kultur ist identitätsstiftend

Filmemacher Emanuel Rund ist selbst ein Zugvogel wie der Kranich. Aufgewachsen in Israel und den USA, wohnt er jetzt in Rosenheim. Er ist hineingewachsen in einen Schmelztiegel der Kulturen, verstreut über sieben Länder. Seine Familie lebte fast in jeder Generation in einem anderen Land, immer wieder vertrieben von Progromen. Beim Filmen hat er große Unterschiede bemerkt zwischen den USA und Deutschland. Hier seien viele Menschen gefangen im Korsett der Regeln, auch in dem der selbst auferlegten, etwa „was sich gehöre und was nicht“. Das verhindere Kreativität und Entfaltung, aber auch Courage. Angst ist trennend, statt verbindend, sagt er.

Podiumsdiskussion „Kunst verbindet“: Irene Durukan, Mut & Courage e.V. (links) und Reinhard Knirsch, 2. Vorstand Kulturforum Rosenheim e.V. (rechts) mit Gästen
Podiumsdiskussion: Irene Durukan, Mut & Courage e.V. (links) und Reinhard Knirsch, 2. Vorstand Kulturforum Rosenheim e.V. mit Gästen. Foto: Ines Wagner

Irene Durukan von Mut und Courage e.V. berichtete, wie sie in ihrem Verein mit Kulturarbeit, beispielsweise Konzerten, Filmen und Kunstprojekten, Menschen zum Nachdenken und auch zum Entwickeln ziviler Courage hinführen können.

Dass Künstler und Kulturschaffende generell offener seinen, neugieriger gegenüber fremden Kulturen und Einflüssen, war ein Einwand aus dem Publikum. Kultur öffne neue Wahrnehmungskanäle und führe über die Begegnung mit Anderen zu neuen Sichtweisen, auch zur Lösung von Konflikten und Problemen, ergänzte Ines Wagner. Dabei wurde man sich schnell einig, das sinnliche Erleben des Einzelnen ist ebenso wichtig wie das Gespräch mit Anderen darüber.

Kultur schafft Orte der Begegnung

Auch dass Kultur wesentlich mehr als die Summe verschiedener Kunstrichtungen ist, sondern auch Themen wie beispielsweise Architektur, Nachhaltigkeit, Ökologie und Bildung beinhalte, war ein wichtiger Punkt. Weiterhin: Wie erreichen wir die Kinder? Wie die Migranten? Monika Hauser-Mayr erzählte, welchen Beitrag dazu die Städtische Galerie leistet.

Monika Hauser-Mayr, Leiterin der Städtischen Galerie Rosenheim bei der Podiumsdiskussion "Kultur verbindet"
Monika Hauser-Mayr, Leiterin der Städtischen Galerie Rosenheim. Foto:Ines Wagner

Kulturelle Vielfalt durch Migration

Der unterschiedliche Glaube trenne oft Kulturen, dabei ist Glaube an sich vereinend. Durch die Flüchtlingsströme sehen sich die Menschen mit den anderen Glaubensrichtungen konfrontiert. Aus ihrer Verunsicherung reagierten sie oft abgrenzend. Will man die Migranten integrieren, dürfe man ihnen nicht ihre Kultur wegnehmen oder verbieten. Wenn sie ihre Kultur ablegen, verlieren wir die Chance auf kulturelle Bereicherung.

Emanuel Rund betonte noch einmal, dass es immer wieder Migrantenströme waren, die Europäische Kultur positiv beeinflussten. In der Weimarer Republik kam die 2000 Jahre alte Kultur des Orients nach Deutschland. Dass sie sowohl Kunst als auch Wissenschaften inspirierte, verhalf Deutschland zur Blüte.

Kultur aussäen

Kunst hilft den Menschen innezuhalten und öffnet neue Blickwinkel. Besonders wichtig seien die Schulen, wurde erörtert. Kinder sollten gestärkt werden, ihre eigene Meinung zu haben und kundzutun. Um eine eigene Meinung zu haben, muss man sich spüren können, seine innere Stimme hören, fest verwurzelt sein in einem stabilen Familiengefüge, einer Gemeinschaft.


Kraniche im Eingangsbereich der Städtischen Galerie Rosenheim. Foto: Ines Wagner

Kultur rückwärts gelesen heißt Urkult – das hat mit Stabilität und Verbundenheit zu tun. Gerade im Digitalen Zeitalter sind Menschen unentwegt beschäftigt, bombardiert mit Informationen, Angeboten, Möglichkeiten. Die Menschen bräuchten mehr Mut zu Muße, Mut zu Courage, auch Mut, sich aus dem Korsett der Regeln zu befreien und persönlich zu Wachsen. Da könne und müsse die Kultur unterstützen.

Kranich symbolisch für kulturellen Weltbürger

Der Verein KulturVision e.V. hat dazu die Spurwechsel-Initiative für eine persönliche Weiterentwicklung und Potentialentfaltung ins Leben gerufen, sowie die Projektreihe Anders Wachsen für Veränderungen nicht nur des Einzelnen, sondern von Gemeinschaften und der Gesellschaft.

Die Runde hätte noch beliebig lange weiter diskutieren können, denn es ist ein weites und komplexes Feld. An anderer Stelle wird es sicherlich auch weiter gehen. Der Abend in der Städtischen Galerie Rosenheim endete mit einem Blick beim Hinausgehen auf die papiernen Kraniche – als Symbol für den kulturellen Weltbürger.

Weitere Informationen über Aktivitäten des Kulturforum Rosenheim e.V. und den Verein Mut & Courage e.V. finden sie auf den Homepages.

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