Stars vom Komödienstadel in Miesbach

Der Bischof platzt in die Pyjama-Party. Foto: Petra Kurbjuhn

Volkstheater in Miesbach

Wenn das Fernsehen im Waitzinger Keller in Miesbach mit dem Komödienstadel und bekannten Schauspielern gastiert, dann ist alles etwas anders. Riesige Traversen, ein üppiges Bühnenbild und dann muss der Applaus geübt werden. Der kam dann aber während des Stückes und am Ende spontan aus vollem Herzen.

Zum 20jährigen Bestehen des Waitzinger Kellers kann das Kulturzentrum Miesbach mit etwas Besonderem aufwarten. Der Bayerische Rundfunk inszeniert und zeichnet in einer Uraufführung sein aktuelles Stück „Der Greis ist heiß“ auf. Zur Premiere am Samstag Abend gab Bürgermeisterin Ingrid Pongratz im Gespräch mit Moderator Harry Meier von der Theaterbox ihrer Freude Ausdruck, dass der Komödienstadel in Miesbach zu Gast ist.

Abgestaubt und refreshed

Ja, und dann wird Schmunzeln, Lachen, Applaus und euphorischer Applaus geübt. Letzterer kommt neben herzhaftem Lachen immer wieder zum Einsatz. Nicht verwunderlich, denn das Stück von Cornelia Willinger ist ein echter Kracher. Zudem hat Regisseur Thomas Stammberger den Komödienstadel, wie Maier betonte, abgestaubt und „refreshed“. Das tut ihm gut.

Komödienstadl
Andreas Bittl und Annabel Faber. Foto: Petra Kurbjuhn

Es geht schon knackig los, wenn Norbert und die „Kranken Schwestern“ einen ordentlichen Rock’n Roll auf die Bühne legen. Andreas Bittl spielt nicht nur Pfleger Norbert, sondern ist auch musikalischer Leiter des Stückes, Sänger und Gitarrist. Dass gleich zu Beginn sein Gitarrenband reißt, wird zum guten Omen des Abends. Seine Mitstreiter sind Dim Schlichter am Schlagzeug und Martin Habersetzer an der Tuba.

Und es geht knackig weiter, denn im Altenheim „Abendrot“ findet sich ein sehr gemischtes Völkchen. Die ehemalige Schlangentänzerin Silvia (Maria Peschek) hängt ihre Reizwäsche öffentlich zur Schau. Sie erwartet sich nämlich noch etwas vom Leben und will sich weder der „Karawane des Grauens“ (Einzug der Rollatoren im Speisesaal), noch dem „Endlager de luxe“ ausliefern. Und so spielt sie auch, bringt ihre Reize zur Geltung und die Männerwelt zur Wallung.

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Heide Ackermann und Waggi Hübner. Foto: Petra Kurbjuhn

Der ehemalige Almbauer Wastl (Winfried „Waggi“ Hübner) indes hat mit dem Leben abgeschlossen: „Ich muss mich daran gewöhnen, dass ich tot bin.“ Depressiv sitzt er auf der Bank und will weder essen, noch Silvias Verlockungen erliegen. Aber der Traumpfleger Norbert, den Andreas Bittl liebenswürdig und charmant spielt, bringt ihn mit kreativen Ideen ins Leben zurück. Und so darf Waggi wieder lachen, tanzen und sich verlieben, was er mit Leidenschaft tut.

Heide Ackermann als Elisabeth ist anfangs die eifersüchtige, biedere und nur noch Kirchenlieder singende Altenheimbewohnerin mit Stock. Aber auch sie darf zum Leben erwachen, so in Wastls Heubad oder bei der nächtlichen verbotenen Pyjama-Party. Denn sie hat sich entschieden, ihren ungetreuen Ehemann abzulegen. Und statt Kirchenlieder zu singen, sagt sie vulgäre Texte auf.

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Bettina Redlich und Werner Haindl. Foto: Petra Kurbjuhn

Heinrich (Werner Haindl) nämlich will nicht ins Altenheim ziehen, sondern frönt einem lockeren Lebenswandel mit Rotweinflecken im Schlafzimmer, was Enkelin Gisi (Annabell Faber) brühwarm der Oma erzählt. Werner Haindl ist ein „leidenschaftlicher Jäger“ mit Wiener Schmäh, der allerdings nach der Trennung zu einem gebrochenem Häuflein Unglück mit Rollator mutiert.

Auch Schwester Andrea (Bettina Redlich) durchläuft einen Wandel. Von der unzufriedenen verlassenen Ehefrau mit Schnapsflasche in der Kitteltasche darf sie sich zur wilden, glückseligen Frau entwickeln. Und tanzt ausgelassen über die Bühne.

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Heide Ackermann und Waggi Hübner. Foto: Petra Kurbjuhn

Warum? Das wird nicht verraten. Und auch nicht, ob Gisi, die ständig psychologische Küchenweisheiten von sich gibt, sich Norbert ergibt, der sie permanent anhimmelt. Die dem Publikum aus vielen TV-Produktionen bekannten Schauspieler des Bayerischen Fernsehens liefern eine gekonnte Komödie mit köstlichem Einsatz aller darstellerischen Mittel ab. Sie werden ergänzt durch zwei Gäste: Präsident Horst Rankl und Landesspielleiter Gerhard Berger vom Verband Bayerischer Amateurtheater platzen als Bischof und Stellvertreter in die wilde Party des Altenheims, in dem man sich echt wohlfühlen kann. Und so gilt der Satz von Wastl: „Wenn ein alter Gaul in Gang kommt, ist er schwer zu bremsen.“

Cornelia Willinger hat ein äußerst witziges Stück voller Überraschungen geschrieben, das von Thomas Stammberger brillant in Szene gesetzt wurde. Das Premierenpublikum war hingerissen.

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Harry Meier bei der Führung. Foto: Isabella Krobisch

Mehr als 120 Personen nahmen schon vor der Aufführung am Premierentag die Gelegenheit wahr, sieben Stunden lang hinter die Kulissen des Komödienstadels zu blicken. Harry Meier von der Theaterbox geleitete die Besucherschar durch den „Tag der offenen Bühne“. Auf dem Programm stand ein Probenbesuch, bei dem Regisseur Thomas Stammberger Einblicke in das Bühnengeschehen gewährte. Bei der anschließenden Gesprächsrunde in der neuen Black Box des Waitzinger Kellers gaben auch Autorin Cornelia Willinger und Produzent Wolfgang Weber umfassende Auskünfte. Dem schloss sich eine exklusive Set- und Backstage-Führung mit spannenden Insider-Infos an.

Die TV-Aufzeichnungen von „Der Greis ist heiß“ finden am Freitag, 29. 9. und Samstag, 30.9. um 20 Uhr im Waitzinger Keller statt.

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