Faible für Frauenschuh

Klaus Altmann - Fotokunst Frauenschuh „cypripedium calceolus“

Fotokunst Frauenschuh „cypripedium calceolus“. Repro: IW

Nein, es sind keine High Heels gemeint. Die Orchidee Frauenschuh ist es, die Klaus Altmann sich zur Leidenschaft gemacht hat. Neben der Aquarellmalerei in ihm so eigenem Stil und den Wildmotiven. Inzwischen hat er ein Fotobuch heraus gebracht.

Am Samstag eröffnete der Künstler und Oberforstmeister a.D. im Seeforum Rottach-Egern seine umfangreiche Ausstellung. Seit dreiundzwanzig Jahren malt Klaus Altmann. Überwiegend sind Aquarelle zu sehen, Jahreszeitenzyklen. Wunderbar zum goldenen Herbst passen die Bilder, Motive vom Tegernseer Tal, Salzburg und der Seiser Alm. Höchst lebendig durch die schlierenartigen Verfremdungen, die den Wind so gut transportieren, wehendes Herbstlaub, Regentropfen. Man riecht den Herbst, die kalte, sternenklare Winternacht. Klaus Altmann hat seine Aquarellmalerei weiter entwickelt, seinen Stil vervollkommnet.

Blick in die Ausstellung von Klaus Altmann
Blick in die Ausstellung. Foto: Ines Wagner

Unzählige Aquarelle sind hinzu gekommen seit der letzten Ausstellung. Aber wenn man ihm mit dem Wort „unermüdlich“ loben möchte, winkt er nur ab. Die Aquarelle bilden sein Hauptwerk seit vielen Jahren. Seine Liebe aber gilt dem Frauenschuh, der edelsten heimischen Orchidee, zu der er bereits in seiner Kindheit, aber insbesondere in seinen letzten Arbeitsjahren im Forst fand: Bei der Flora-Fauna-Habitat-Kartierung, der Erfassung der Blume als „streng zu schützende Art von gemeinschaftlichen Interesse“. Der Frauenschuh ist zur Leidenschaft Klaus Altmanns geworden.

„Schaue die Bilder und fühle, ob sie dich berühren“

Eine Leidenschaft zu ergründen oder sie zu erklären, ist oft nicht so einfach. Wenn sie jedoch vererbt ist und quasi im Blute liegt, sei die Deutung einfacher, so Klaus Altmann in seinem Buch „Geheimnis Frauenschuh – die Verwandlung einer Orchidee“. Und seither hat er sich ihr nicht nur in der Bestandserfassung genähert, sondern auch als Künstler.
Aber mit der Malerei sei den besonderen Blüten nicht recht beizukommen, ihr Zauber nicht wahrhaft zu erfassen.

Klaus Altmann bei den Orchideen-Horsten
Klaus Altmann bei den Orchideen-Horsten . Foto: KN

Diesen Eindruck gewann Klaus Altmann und deshalb hat er bereits vor Jahren begonnen, der Orchidee mit der Kamera nachzustellen. Zuerst analog. Aber die realistischen Abbildungen der Blüten stellten den Künstler nicht zufrieden. Der Zauber, den er im Frauenschuh erlebte, die Mystik der Pflanze, ließ sich so nicht genügend transportieren. Deshalb begann er bereits in den 1980er Jahren, mit der Kamera zu experimentieren. Aber erst mit der Digitalkamera eröffneten sich für ihn neue Umsetzungsmöglichkeiten für seine Vorstellung der Pflanze und ihrer Aura, ihrem Wesen. Mit der Digitalfotografie gelangte er zu der Kunstform, nach der er gesucht hatte, um die „cypripedium calceolus“ würdig darzustellen.

Klaus Altmann – Huldigung der prächtigsten heimischen Orchidee

Im Seeforum sind einige der großformatigen Fotografien zu sehen, die allesamt nicht digital bearbeitet sind, wie er betont. Auch sind alle Aufnahmen vor Ort gemacht, in den Wäldern rund um das Tegernseegebiet, an Orten, die er selbstverständlich nicht preisgibt, und die Pflanzen sind natürlich auch unbeschädigt geblieben, das versteht sich von selbst. Über 10.000 Exemplare hat Altmann bereits gezählt und kartenmäßig dargestellt. Siebzig Bilder umfasst nun sein Fotokunstband. Siebzig Fotografien, in denen mit liebevollem Blick auf Details, Farbverläufe und Formen dem mystischen Charakter unserer prächtigsten heimischen Orchidee gehuldigt wird. Violett, gelb, purpurn, fein geädert, gesprenkelt. Farborgien, üppig, prachtvoll und fragil zugleich. Ein Bildband ohne Erklärungsversuch, heißt es. Denn, „es zu tun hieße, dem Geheimnis seinen Zauber nehmen.“

Klaus Altmann und das Hopf-Weißbier "Bluat vo da Gams“.
Klaus Altmann und das Hopf-Weißbier „Bluat vo da Gams“. Foto: Ines Wagner

Zur Eröffnung der Vernissage im Seeforum hat der Heimatmaler und Volkssänger Besuch bekommen, von den Salzburger Sängerfreunden. Gemeinsam sangen sie mit Klaus Altmann einen vierstimmigen Jodler, der den Abend feierlich eröffnete. Nicht ohne Stolz präsentierte Klaus Altmann das neue Hopf-Weißbier „Bluat vo da Gams“. Die kastanienbraune, naturtrübe Bierspezialität ziert ein Gamskopf – natürlich gezeichnet vom Rottacher Künstler, der seit vielen Jahren bekannt ist für seine feinen Bleistiftzeichnungen und Aquarelle von Wildtieren auf historischen Forstpapieren. Ein Prost auf die Ausstellung, Herr Altmann, ein Prost auf das Fotobuch!

Klaus Altmann - Buchcover „Geheimnis Frauenschuh – die Verwandlung einer Orchidee“.
Buchcover „Geheimnis Frauenschuh – die Verwandlung einer Orchidee“. Repro: IW

Die Ausstellung Klaus Altmanns mit Landschaftsaquarellen aus dem Tegernseer Tal, Salzburg und der Seiser Alm, Tierportraits auf historischen Dokumenten und der Fotokunst rund um den Frauenschuh ist noch bis zum 6. November in Rottach-Egern im Seeforum zu sehen.

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