Anders herum denken: Konferenz der Kinder

 

„Konferenz der Kinder“. Foto: Papiertheater

Künstlerporträt

Holzbildhauer und Konzeptkünstler Johannes Volkmann aus Nürnberg und Riegsee bewegt mit seinen ungewöhnlichen Sozialkunstinstallationen die Menschen, auch im Landkreis Miesbach. Im Juli wird er wieder zum Abschluss der Anders wachsen-Reihe vertreten sein – mit der „Konferenz der Kinder“.

Johannes Volkmann hat in Oberammergau das Holzbildhauerhandwerk erlernt, in Bochum eine Figurentheaterausbildung und an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg den Studiengang „Kunst & Öffentlicher Raum“ absolviert. Seitdem hat er unzählige Ideen umgesetzt. „Manchmal sind sie zu groß für mich allein“, lacht er. Dann sucht er Menschen, die mitgestalten. Vieles, dass er anstößt, gibt er später frei. Dann kommt ein „Nachahmen erlaubt“-Stempel drauf. Wie auf die durch viele Länder gereiste Gesellschaftsinstallation „Unbezahlbar“, die beim ARTcycling Festival 2017 in Holzkirchen halt machte. Auf der samt Tellern und Besteck in Papier verpackten großen Tafel schrieben Passanten mit Filzstiften, was für sie „Unbezahlbar“ ist.

Johannes Volkmann in Riegsee
Johannes Volkmann in seinem Garten in Riegsee. Foto: IW

Trotz aller Kulturunterschiede war weltweit offensichtlich: Familie ist Unbezahlbar. Gesundheit. Kinder. Johannes Volkmann hat dann gleich wieder anders herum gedacht: „Wenn Kinder unbezahlbar sind – was brauchen sie dann?“

Konferenz der Kinder kommt nach Holzkirchen

Aus dieser Frage entstand daraufhin die „Konferenz der Kinder“. Volkmann besuchte mit einem kleinen Team von Künstlern über vier Jahre hinweg weltweit Kinder. Er hat ein Fragebuch entwickelt, das die Kinder mit ihren Ideen und Forderungen gestalten. Daraus entwickelten sie beispielsweise einen Konferenzsong und Bausteine für ein Kindertheaterstück. Schließlich wurde aus den unterschiedlichen Elementen eine Collageninszenierung, mit der die Kinder ihre Ideen aufführen. Nach einem Mini-Kindergipfel in Athen findet im September 2018 die „Gipfelkonferenz der Kinder“ in Nürnberg statt. Kinder aus allen teilnehmenden Ländern gestalten innerhalb eines umfangreichen Programms ein Fragebuch für Erwachsene, das an 100 ausgewählte Persönlichkeiten auf der Welt zur Beantwortung geschickt wird.

Zusammenkunst – Kunstwerke entstehen gemeinsam

Die gemeinschaftsstiftenden Kunstprojekte von Johannes Volkmann laufen meist über Zeiträume von bis zu vier Jahren, weil sie wachsen und viele Menschen mit ihren Ideen mitwirken. 2015 gründete er die „Fa. Zusammenkunst“ – mit Kunstschaffenden und interessierten Bürgern. Im Spannungsfeld zwischen bildender, darstellender und sozialer Kunst geht es um das Gestalten von Lebensräumen und des Zusammenlebens.

Johannes Volkmann Anders herum denken
Anders herum denken – gemeinschaftliches Sozialkunstprojekt. Foto: Papiertheater

Das Projekt „Anders Herum Denken“ entwickelte sich daraus 2016. Am Anfang stand eine Pappschachtel – die Verpackung, mit der alles mögliche beworben wird. Was entsteht, wenn man anderes herum denkt, wenn man statt Produkten Gedanken bewirbt – für eine gemeinwohlorientierte Idee? In geschnitzten Sammelboxen sammelte die Gruppe in Nürnberg und Fürth über 1000 Schachteln. Sie wurden aufgeschnitten, anders herum wieder zusammengeklebt und daraufhin mit der Aufschrift bedruckt „Anders Herum Denken“.

Anders herum gedacht: Gedankeninstallation

Die Pappschachteln wurden zur Kunstausstellung und die Besucher aufgefordert, sich eine Schachtel mitzunehmen. Zuvor hinterließen sie auf Zetteln ihre Gedanken, in welchen Bereichen der Gesellschaft anders herum gedacht werden soll. Aus einer Installation von Pappschachteln wurden einen Gedankeninstallation und ein „Impulstag zur geistigen Anstiftung“.

Johannes Volkmann Ausstellung
Ausstellung in Nürnberg. Foto: Papiertheater

Etwa 500 formulierte Gedanken ergaben infolgedessen 40 Seiten Textmaterial. Daraus entstand anschließend ein interdisziplinärer Theaterabend, den Johannes Volkmann mit dem Papiertheater, Johannes Beissel, Thomas Stang und fünf Schauspielenden des KULT Ensembles inszenierte. Bei der Uraufführung war – selbstverständlich – alles anders herum. Das Publikum saß auf der Bühne, während im Theatersaal gespielt wurde und die Tickets konnten statt in Euro auch mit Sozialstunden bezahlt werden. Das Projekt ist längst nicht beendet, die Ideen sprudeln weiter.

Johannes Volkmann und das Papiertheater

Seit 22 Jahren tourt Johannes Volkmann auch mit seinem „Papiertheater“ mit wechselnden Programmen. Und mit dem „Nähmaschinentheater“ ist er mit seiner Lebensgefährtin, der Textilkünstlerin Susanne Winter, unterwegs. Außerdem arbeitet er als Dozent für Soziale Arbeit an der TH Nürnberg. Wenn es die Zeit erlaubt, verlegt er ein neues Buch in seinem „Verlag für erlesene Bücher“ – jedes Exemplar ist ein handgearbeitetes Unikat. Die Ideen gehen indes ihm noch längst nicht aus.

Am 14. Juli  kommt Johannes Volkmanns „Konferenz der Kinder“ nach Holzkirchen ins KULTUR im Oberbräu zum Abschluss des zweiten Zyklus von Anders wachsen.  Beim sogenannten „Markt der Ideen“ präsentieren außerdem Initiativen und Einzelpersonen ihre alternativen Ideen für Wirtschaft, Energie, Bildung und Lebensstil im Oberland. Bei schönem Wetter findet der „Markt der Ideen“ im Freien statt, ansonsten im Festsaal.

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