Irnberg | Michael Schneidler

Irnberg, geboren 1940 in München, ist 30 km südöstlich von München auf einem Bauernhof gleichen Namens aufgewachsen. Er entstammt einer Juristenfamilie, deren Druck er sich zunächst beugte und Jurist bzw. Rechtsanwalt wurde. Kein Einzelfall in der Kunstgeschichte: auch Monet, Cezanne und Kandinsky sollten Juristen werden.

Irnberg hat schon im Vorschulalter begonnen zu zeichnen.

Künstlerische Ausbildung:

Neben dem konsequenten Selbststudium besuchte Irnberg in den Jahren 1984 bis 1986 mehrmals die renommierte Sommerakademie in Salzburg, wo er sich bei den Professoren Hradil, Bremer und Anderle auf dem Gebiet der Radierung qualifizierte. In Vorbereitung auf seine neuesten Arbeiten ließ er sich sogar von einem Möbelschreiner in die Kunst der Intarsien Arbeit einweisen.

Stilentwicklung:

Am Anfang seiner künstlerischen Genese eignete sich Irnberg die Technik der Aquarell-, Gouache-, Öl- und sogar Temperamalerei an. Primat blieb jedoch immer die Handzeichnung. In den 70er Jahren begann Irnberg mit Farbfeldmalerei, eine Stilrichtung, die es bereits seit Mitte der 1950er gab und bis heute von verschiedenen Protagonisten vertreten wird. (Clement Greenberg: Color Field Painting). Dies war auch der Grund, wieso er wieder davon abkam.

Ende der 80er Jahre folgten seine Materialbilder. Inspiriert von Kurt Schwitters setzte er Alltagsgegenstände und Materialien in einen Kontext und gab ihnen somit seine eigene neue Aussagekraft. Die benutzten Materialien sind z.B. Bleifolien, Blei-und Zinnkapseln, Blech, textile Materialien wie Nessel, Jute, Rupfen, Stoffe sowie Papier, Karton, Wellpappe. Blei- und Zinnkapseln erhielt Irnberg von einer Weinkapselfabrik in Nackenheim, wo seine Frau einen großen Karton voller Kapseln sah, die wegen kleiner Mängel für die Fabrik reiner Abfall, für Irnberg aber wertvolles Material waren. Von dem Kantinenwirt der KfW in Frankfurt, der solche Kapseln sammelte, bekam er ebenfalls eine große Menge Bleikapseln.

Anfang 2000 – mittlerweile hatte er seine juristische Arbeit ganz zugunsten der künstlerischen Tätigkeit eingestellt – konzentrierte er sich zunehmend auf kunsttheoretische Reflexionen zum Thema Relief, begleitet von experimentellen Arbeiten. Dabei näherte er sich immer mehr reinen Hohlraumbildern. Unter dem Titel „Inverse Reliefs“ schloss er 2008 seine Abhandlungen zum Thema Relief ab. Der Begriff wurde anlässlich einer Ausstellung der Arbeiten von Irnberg von dem Kunsthistoriker Dr. Alexander Löhr kreiert. Das inverse Relief ist allerdings keine Erfindung von Irnberg. Schon in der alten ägyptischen Kunst findet sich das inverse Relief vielfach. Irnberg experimentiert mit der Auflösung der Form: der Schatten als autonomes Bildmotiv. Nach einigen abstrakten Reliefs und infolgedessen Scheinreliefs (gemalte Schatten), war in logischer Konsequenz das inverse Relief geboren. Während beim klassischen Relief der Schattenwurf lediglich die plastischen Strukturen unterstreicht, befördert das inverse Relief – je nach Lichteinfall – völlig unterschiedliche Wahrnehmungen.

Eine Parallele in der Musik: Hier entsteht eine der dreidimensionalen Leere vergleichbare Stille, wenn der Folgeton nicht in dem bisher dargebotenen Tempo eintritt. So wird eine reizvolle Spannung erzeugt.

Dr. Alexander Löhr zu den inversen Reliefs von Irnberg: „Nicht nur stilistisch – ich wüsste keinen anderen Künstler mit derartigen Arbeiten zu benennen – sondern auch technisch nehmen diese inversen Reliefs eine Sonderstellung ein: Irnberg modelliert in einem aufwendigen Verfahren zuerst die Teile, die später wieder entfernt werden und dadurch die Hohlräume bilden. Alsdann füllt er die umliegenden Flächen mit verschiedenen Materialien auf und deckt alles mit einer Platte – der späteren Rückwand – ab. Schließlich wird das gesamte Werkstück umgedreht, die Füllmaterialien entfernt sowie in einem letzten Arbeitsgang Farbe, Zeitungsausschnitte oder ähnliches aufgebracht.“

2009 begann Irnberg diese Erkenntnisse mit Collagen zu verbinden. Er nutzte dazu vorzugsweise Ausschnitte aus Zeitungen: Fließtext, Überschriften, farbige Fotos insbesondere aus den Sportteilen. So entstanden abstrahierte bis surreal anmutende Sportbilder, die er wiederum ein zweites Mal fotografierte. In der scheinbar fotografischen Dokumentation erhob er selbst erschaffene Parallelwelten zur Realität.

Ausstellungen (in Auswahl):

1985 Galerie Sties, Kronberg (Gemeinschaftsausstellung)
1987 Galerie im Kempinski-Hotel Gravenbruch, Frankfurt/Neu-Isenburg
1991 Galerie Kölnisch Art, Köln
Atelier-Galerie am Dom, Köln
1992 Kunstmesse Descouvertes im Grand Palais, Paris
Galerie Visconti Fine Art, Ljubjana
Galerie Sadowski, Gubbio
Galeria la roggia, Pordenone
1992/93 Städtisches Museum Ljubljana (Gruppenausstellung)
2000 Galerie Maingau, Frankfurt
2013 Galerie Insinger, Distelhausen.

Kataloge
Edition Visconti Fine Art, Ljubljana, 1991

Begriffe, die im Zusammenhang mit den Arbeiten Irnbergs eine Rolle spielen:
• Schatten
• Zen
• Stille, Ruhe, Versenkung, noli me Tangere
• Statik statt Dynamik
• Recycling, Upcycling
• Leere, Hohlraum
• Isolierung
• organische Abstraktion
• konkav
• Bündigkeit (Intarsien)
• Vogelperspektive
• Stau, Zurückhaltung, Zurückdrängung

Eine Schlussbemerkung von Dr. Alexander Löhr:
„Ich werde oft gefragt, woran man gute Kunst erkennt. Die Antwort: Gängige Erzeugnisse hat man mit einem Blick erfasst und abgehakt, eine gute Arbeit hingegen eröffnet auch auf den zweiten oder dritten Blick noch neue Eindrücke. Lassen Sie Irnbergs Arbeiten auf sich wirken. Mir erscheint die Auseinandersetzung mit Irnbergs Arbeiten ausgesprochen lohnenswert.“

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