Tegernsee feiert den Expressionismus: Beck trifft Nolde

Herbert Beck: Nachtlandschaft

Herbert Beck: Nachtlandschaft. Foto: Beck & Eggeling GmbH

Ausstellung in Tegernsee

Diese Ausstellung war lange überfällig: Bilder des hervorragenden expressionistischen Malers Herbert Beck werden gemeinsam mit denen des großen Expressionisten Emil Nolde gezeigt – 66 Jahre nach der entscheidenden Begegnung beider Künstler in Hamburg.

Das zweite Zusammentreffen der beiden Künstler findet in diesem Jahr am Tegernsee statt – in Form ihrer außergewöhnlichen Werke. Das Olaf Gulbransson Museum macht mit dieser Ausstellung einen Quantensprung nach vorn: Allein die Werke von Emil Nolde an den Tegernsee zu holen ist etwas ganz und gar Außergewöhnliches. Normalerweise hängen dessen hoch dotierte Bilder in den großen Gemäldegalerien der Weltmetropolen.

Doppelausstellung – Glücksfall oder längst überfällig?

Diese Ausstellung ist ungewöhnlich und die Gegenüberstellung der Werke wird nicht nur hier Aufsehen erregen. Im Gegensatz zu Emil Nolde sind die Werke des Wahl-Tegernseers Herbert Beck zwar in Deutschland hoch angesehen – international bisher jedoch bis auf vereinzelte Ausstellungen nicht in dem Maße erkannt worden, wie es ihnen zusteht. Herbert Beck hat die außergewöhnliche Aquarelltechnik des 53 Jahre älteren Begründers des deutschen Expressionismus weiterentwickelt und zu einer eigenen Sprache gebracht. Ein genaueres Hinsehen lohnt sich und bringt Verblüffendes zutage.

Emil_Nolde_Hülltoft Hof (roter Himmel)
Emil Nolde: Hülltoft Hof roter Himmel. Foto: Nolde Stiftung Seebüll

Das einzige Treffen der beiden Künstler sollte das künstlerische Schaffen Herbert Becks grundlegend verändern. Dass der bekannte Expressionist Nolde dem jungen Maler in seiner ersten Hamburger Ausstellung nicht nur Aufmerksamkeit zollte, sondern ihm in einer mitgebrachten Mappe seine eigenen Aquarelle zeigte, beeindruckte und beeinflusste den jungen Beck nachhaltig. Die weiten Landschaften, Wolkengebilde und Blumenkompositionen strahlten mit einer unglaublichen Intensität und hinterließen einen tiefen Eindruck. „Noldes glühende Farbigkeit zu erreichen, war das Ziel unzähliger Studien“, schrieb Herbert Beck später.

Inneres Leuchten sonorer Farbwelten

Michael Beck, Galerist und Sohn Herbert Becks, beschreibt, wie sein Vater in unzähligen Studien und Experimenten eine eigene Technik entwickelte, angespornt von Noldes Aquarellstil. Es gelang ihm ein Leuchten der Farbwelten von Innen heraus zu schaffen und zugleich in sonoren Farbgebungen zu verbleiben. Der vergleichende Blick auf die Werke beider ist hochinteressant. Während Emil Nolde auf feinem Japanpapier aquarellierte, verwendete Beck einen festen Büttenkarton, den er hell grundierte – als Basis für das innere Leuchten der Farbkompositionen. Diese Technik entwickelte Beck ebenso für die Ölmalerei und verlieh damit den Bildern, die zumeist in dunklen Farben gehalten waren, eine enorme Leichtigkeit.

Michael Beck, Dr. Christian Ring
Einführung Dr. Christian Ring, Michael Beck (v.l.). Foto: IW

Michael Beck, der die Tegernseer Ausstellung kuratiere und dabei eng mit Christian Ring, Direktor der Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde, zusammenarbeitete, weist auf die besondere Hängung der Bilder. Nicht nur lassen die etwa 30 Bilder Noldes und 50 Bilder Becks einen unmittelbaren Vergleich zu. Die Bilder folgen einer imaginären Partitur, sie zeigen einen Klang der intensiven Farbkompositionen beider Künstler und schaffen damit eine lebendige Werkschau – bis hin zu den bemerkenswerten Miniaturbildern beider Künstler.

Herbert Beck_Expressive Landschaft 2009_Beck & Eggeling GmbH
Herbert Beck: Ausschnitt aus „Expressive Landschaft“ 2009. Foto: Beck & Eggeling GmbH

Emil Nolde verfolgte beide Kriege aus der Ferne von seiner Warft aus. Seinen Bildern gab er kaum politische Botschaften, beide Kriege blieben bis auf eine Ausnahme unerwähnt. Hier liegt ein brisanter Unterschied zu Herbert Beck, der die Ostfront überlebte und von der Bombardierung Leipzigs und Dresdens nachhaltig erschüttert war. Werke wie „Kleine Giftgasfabrik“, „Brennendes Dorf“ oder „Selbst mit Atompilz“ zeigen seine lebenslange Auseinandersetzung mit den traumatischen Erfahrungen des Krieges und dem Umgang mit Tätern und Opfern – bis in unsere heutige Zeit hinein. Die Serie der Porträts „Faces of the world“, die er als 80-Jähriger schuf, hält dem Betrachter die dringlichen Fragen vor Augen: „Wer ist Opfer und wer Täter?“ und „Wer versteckt was hinter einer Maske?“

Ausstellung ehrt Emil Nolde und Herbert Beck

Nach der großen Ausstellung im letzten Jahr „Trügerische Idylle. Schriftsteller und Künstler am Tegernsee 1900 bis 1945“ legt die aktuelle Ausstellung ein weiteres Zeitzeugnis ab. Vor allem aber weist diese zeitgeschichtlich wichtige Ausstellung dem Tegernseer Künstler Herbert Beck endlich den Platz in der deutschen Kunstgeschichte zu, den er verdient.

Die Ausstellung „Beck trifft Nolde“ ist im Olaf Gulbransson Museum bis zum 30. September 2018 zu sehen. Außerdem gibt es ergänzend zur Ausstellung ein vielfältiges Begleitprogramm und ein breit gefächertes museumspädagogisches Angebot sowie ein Sommerferienprogramm für Kinder. Details entnehmen Sie bitte der Website des Olaf Gulbransson Museums.

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