Hacklinger – feine Wohnzimmermusik

Hacklinger

Komponistin und Pianistin Anschi Hacklinger. Foto: Petra Kurbjuhn

Konzert in Holzkirchen

Ob Hochzeit oder Todesfall, Schlaf oder Coffee to go Becher, Plasiktüten oder Prokrastination, Anschi Hacklinger lässt sich von allen Lebensdingen inspirieren, setzt sich ans Klavier in ihrem Wohnzimmer und komponiert. Mit kongenialen Kollegen spielt sie dann ihre Werke in der Öffentlichkeit und verbreitet dennoch Wohnzimmeratmosphäre.

So am Sonntag Abend im Foolstheater. Zum dritten Mal erst in dieser Besetzung, aber schön aufeinander abgestimmt spielten Marion Dimbath an der Posaune und Tuba und Matthias Gmelin am Schlagzeug mit der Komponistin am Klavier die Wohnzimmermusik.

Gefühlvoll begann es und gefühlvoll endete der Abend, passend zum 3. Advent. Leise, die Posaune beginnt feierlich und dann entwickelt sich am Klavier eine einprägsame, schlicht-schöne Melodie, Harmonie, so wie es sein sollte in dieser Vorweihnachtszeit. In diese Musik kann man sich hineinbegeben und Kraft auftanken oder einfach nur geschehen lassen.

Der Prokrastinationswalzer

Anschi Hacklinger erzählt, dass sie Dinge, die sie beschäftigen, in Musik umsetzt. Das kann beispielsweise der Prokrastinationswalzer sein, also der der Verschieberitis gewidmet ist, wenn sie eigentlich Kontrabass üben sollte, aber lieber Klavier spielen möchte, so wie wir, die wir die Steuererklärung machen sollten und erst einmal Wäsche waschen und Fenster putzen.

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Anschi Hacklinger, Marion Dimbath und Matthias Gmelin (v.l.). Foto: Petra Kurbjuhn

Das können auch Beziehungsprobleme sein, wenn also der Partner schon das Ende des Satzes vorwegnimmt, weil er ja zu wissen glaubt, was man sagen möchte. Der Titel lautet dann „Du bist nicht willkommen in meinem Satz.“ Dieses Stück ist keineswegs leise, sondern vielmehr energisch und aufbegehrend.

„Der Lohn in Sozialberufen ist unter aller Sau“

„Empört Euch!“ dieser Aufruf Stephane Hessels könnte der alternative Titel eines Liedes sein, das Anschi Hacklinger inspiriert von Tagesthemen schrieb. Die Politik befasse sich hauptsächlich mit innerer Sicherheit und Terrorbekämpfung, wettert sie. Aber die Wahrscheinlichkeit in einem unterbesetzten Krankenhaus oder Pflegeheim zu enden, sei doch viel größer als bei einem Terroranschlag ums Leben zu kommen. Sie wählte als Überschrift für das zornige Stück „Das arme Schwein. Coffee to go Becher sind Scheiße. Lohn in Sozialberufen ist unter aller Sau.“

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Marion Dimbath an der Posaune. Foto: Petra Kurbjuhn

Aber schon strahlt sie wieder, das musikalische Multitalent, ob „Fei scho“ oder eben jetzt „Hacklinger“ und empfiehlt, doch einmal auszuprobieren, wie nett das böse Smiley am Ortsausgang von Weyarn blinzle, wenn man zu schnell fahre. Virtuos fährt sie über die Tasten in dem Stück „Eile ist Irrtum“.

Was auch immer Anschi Hacklinger inspiriert zu komponieren, die Musik ist herzerwärmend. Und zudem hoch professionell vorgetragen. Mit Marion Dumbath spielt die Weyarnerin schon länger zusammen. Die Jazzposaunistin mit Tuba als Hobby spielt in verschiedenen Formationen und bläst die eher männlich wirkenden Instrumente des „tiefen Blechs“ voller Kompetenz und Leidenschaft. Matthias Gmelin ist erst seit kurzem bei „Hacklinger“ dabei. Der gefragte Drummer steuert ganz wichtige, überraschende Akzente bei und fasziniert das Publikum mit seinen Soli.

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Matthias Gmelin am Schlagzeug. Foto: Petra Kurbjuhn

Die Wohnzimmeratmosphäre im Foolstheater schuf Anschi Hacklinger nicht nur mit ihrer erwärmenden Musik, sondern auch ihrer unkomplizierten Art, das Programm zu gestalten und das Publikum einzubeziehen, etwa bei der Frage, wer Ausmisten gut und wichtig findet. Ergebnis: Frauen natürlich. Und die Komponistin scheut sich auch ganz und gar nicht, ein scheußliches Stück zu spielen. Das nämlich, das sie neuerdings den Spam-Absendern schickt. Allerdings so abschreckend wie erhofft ist es nun wirklich nicht!

Hacklinger – ein Konzertabend der leisen, manchmal aufbegehrenden Töne, ein Konzert mit tiefgründigen Wortbeiträgen der, wie sie sagt, Missionarin Anschi Hacklinger; ist sie aber gar nicht, sondern eher eine, die anpackt, beispielsweise in der „Wirkstatt“ der „Anders wachsen“ – Initiative von Kulturvision e.V., die sich das nächste Mal am 17. Januar 2018 um 19.30 Uhr bei Girgl Ertl in der Weyhalla trifft und wo jeder willkommen ist, der etwas für eine soziale, gerechte, ökologische Welt tun will.

Dazu schreibt Anschi Hacklinger auch hin und wieder eine Kolumne für dieses Onlinemagazin:
Saupere aude – wage zu denken
4 Wochen no plastic – wie alles begann
Als mir einmal eine Verkäuferin die gute Laune zurückzauberte
Sonntagskolumne: Tütengeschichte Nr. 1

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