Wir sind Faust

Mephistopheles Clara Lütjohann und sechsmal Faust - Gymnasium Tegernsee Schultheater

Mephisto (Clara Lütjohann) und sechsmal Faust. Foto: IW

Schultheater in Tegernsee

Goethes Faust – ein schweres Thema für Jugendliche? Kommt darauf an, was man daraus macht. Faust einmal ganz anders haben 23 Schülerinnen und Schüler der Theatergruppe „Die Anderen“ mit Sabine Schreiber auf die Bühne gebracht.

Mephisto – ein Clown? Sechsmal Faust und ebenso viele Gretchen? Fast wie im Spiegelkabinett wirkte der frisch-frech-fröhliche „Faust“ auf der Ludwig-Thoma-Bühne des Volkstheaters Tegernsee. Die 23 Jugendlichen der Theatergruppe „Die Anderen“ am Gymnasium Tegernsee und ihre „Theatermama“ Sabine Schreiber, die von allen nur liebevoll „Biene“ genannt wird, haben sich ordentlich was einfallen lassen. Schließlich wollen alle mitspielen. „Eine große Herausforderung“, meint die Theaterlehrerin, „bei einem Stück für fünf Rollen.“ Es war zuerst nicht ganz einfach zu vermitteln: „Übrigens, wir sprechen Goethe, und nein, wir schreiben das Stück nicht um!“ Kein Problem für die Jugendlichen – Faust geht auch jung und anders.

Sechsmal Faust und sechsmal Gretchen.
Sechsmal Gretchen und sechsmal Faust . Foto: IW

„Wir sind Faust“ und „Wir sind Gretchen“, sagen die versechsfachten Helden auf der Bühne. Schwarze Anzughosen, graue Pullover, graue Kleider und ganz viel weißes Papier. Das ist die Bühne. Das Papier hat die Druckerei Mayr gespendet und die Jugendlichen haben die Ludwig Thoma Bühne erst knapp eine Woche vorher „erobert“, um dort ihr Theatercamp aufzuschlagen. Einige der jungen Schauspielerinnen und Schauspieler standen überhaupt zum ersten Mal auf der Bühne – und einige von ihnen zum letzten Mal, zumindest bei „Die Anderen“. In ein paar Wochen schreiben sie ihr Abitur.

Häcksler auf der Bühne - Theatergruppe Gymnasium Tegernsee
Mit dem Häcksler wir das Bühnenbild „zerstört“. Foto: IW

Das Papier, aufgehängt in großen Bahnen, lässt sich reißen, knüllen, als Wald, als Liebesnest, als Kerker bespielen. Farbtupfer in der schwarz-weiß-silbernen Bühnen- und Kostümgestaltung: Ein gelb-roter Häcksler. Und Mephisto. Nein, eben kein schwarzer Teufel mit Hörnern, sondern ein Clown. Das Meisterliche an ihm ist das Spiel von Clara Lütjohann. Sie hat den längsten Text, die meiste Bühnenpräsenz und eine verteufelt zynische, ironische und witzige Ausstrahlung. Sie ist die tragende Rolle des Stückes und alle anderen Mitspielenden sind mit dem gleichen Feuereifer dabei.

Einfallsreiche Kulisse, spacige Kostüme

Die Jugendlichen haben in der Vorbereitung des Stückes eine blühende Fantasie walten lassen. Die Hexe, gespielt von Anna Strohschneider, karrt kreischend im Einkaufswagen heran, untertänig umzingelt von ihren Space-girl-Hexen in glänzendem Silbergewand. Die sechs Gretchen helfen Marthe (Rieke Ebensperger) bei der Hausarbeit – mit dem Häcksler häckseln sie das Bühnenbild kurz und klein. Die Liebesszene von Gretchen und Faust findet, versechsfacht, hinter den hängenden Papierbahnen statt.

Mephistopheles als Clown und die Hexen im Spacelook – „Die Anderen“ des Gymnasiums Tegernsee auf der Ludwig-Thoma-Bühne Tegernsee
Mephistopheles als Clown und die Hexen im Spacelook – „Die Anderen“ Schülertheatergruppe des Gymnasium Tegernsee auf der Ludwig-Thoma-Bühne. Foto: IW

„Biene“ Schreiber bekam ihren Goethe´schen Faust, aber natürlich angereichert mit einem schräg-musikalischen Exkurs in die Neusprache, federführend von Clara Lütjohann: „I bims 1 Faust“ ist ihre „Zusammenfasung für dem Jugendlichen vong heute“. Dabei durfte das Sechsfachgretchen auch eine „naive Bitch“ sein und Faust das Gretchen geil finden.

Anerkennung von Profi-Seite

Am Ende verdienter Beifall, begeisterter Jubel und jede Menge Rührungstränen. Nach dem gemeinsamen Stück heißt es bald Abschied nehmen von denen, die Abitur machen. Aber, und das ist ja Tradition, die zukünftigen Ehemaligen werden es sich nicht nehmen lassen und wiederkommen um mitzuhelfen. „Eine tolle Leistung“, bescheinigt auch Andreas Kern, Leiter des Tegernseer Volkstheaters anerkennend, „toll, was die Sabine Schreiber aus den Jugendlichen herausholt.“

Sabine Schreiber ganz stolz und gerührt. Gymnasium Tegernsee
Sabine Schreiber ganz stolz und gerührt. Foto: IW

Und die Theatermama? „Ich habe eine hohe Achtung vor eurer Geduld, vor eurem Einsatz, vor eurer Energie“, ruft Sabine Schreiber den jungen Theaterspielenden voller Rührung und Stolz zu. Dass Theater Spaß macht und zu Höchstleistung motiviert, neben der regulären Schule, ist offensichtlich. Alle können stolz sein, sie haben super Teamwork geleistet.

Die nächste Theatervorstellung des Gymnasium Tegernsee findet am 21 und 22. Juni auf der Ludwig Thoma Bühne des Tegernseer Volkstheaters statt. Dann führt die „Theatergruppe Gymnasium Tegernsee“ unter der Leitung von Barbara Winkler Carlo Goldonis „Trilogie der Sommerfrische“ auf.

Und hier geht es zu weiteren Artikeln der Theatergruppen des Gymnasium Tegernsee:

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