Code of survival – ein Film von Bertram Verhaag

Regisseur und Produzent Betram Verhaag. Foto: DENKmal-Film Verhaag GmbH

Filmtipp von KulturVision e.V.

Gestern war der offizielle Kinostart des neuesten Filmes des Münchner Regisseurs. Es ist ein Streifen, der die beiden Wege Verhaags der letzten Jahre verbindet: Er zeigt die Gefahren der grünen Gentechnik und er zeigt Beispiele für den verantwortungsvollen Umgang mit dem Boden.

In 15 Jahren drehte Betram Verhaag neun Filme, in denen er die zerstörerischen Kräfte der Gentechnik anprangerte und für die er zahlreiche Preise erhielt. Daneben produzierte er Filme, die Beispiele nachhaltiger ökologischer Landwirtschaft zeigte. Mit „Der Bauer und sein Prinz“ über Prinz Charles füllte er in Deutschland ein Jahr lang die Kinosäle.

In seinem aktuellen Film gelingt es dem engagierten und authentischen Filmemacher, die „Geschichte vom Ende der Gentechnik“ in bewegenden Bildern und Interviews mit Landwirten darzustellen. Diese Geschichte beginnt in Mississippi, USA. Der Farmer George Jeffords erzählt vom Opa und wie sich die Landwirtschaft seitdem verändert habe, dass er seinen Enkeln die Liebe zum Boden weitergeben möchte. Und doch, er ist der Meinung, dass Gentechnik und Glyphosat notwendig sind, um die vielen Menschen zu ernähren. „Ich habe keine Angst vor Genmais.“

Code of survival

Primatenforscherin und UN-Friedensbotschafterin Jane Goodall. Foto: DENKmal-Film Verhaag GmbH

UN-Friedensbotschafterin Jane Goodall hat eine andere Meinung. Auch wenn die Agrarwirtschaft behaupte, gentechnische behandelte Lebensmittel seien sicher, Schäden an Leber und Niere seien heute nachweisbar. Zudem erzeuge man resistente Unkräuter. Ein Beispiel dafür fand Verhaag mit seinem Team bei Tucker Miller. Supergroße Unkräuter bedrohen die Ernte, entziehen alle Nährstoffe, alle eingesetzten Gifte sind wirkungslos und der Boden wird vergiftet und zerstört.

Kompost in den Wüstensand

Nur gut, dass nach den erschreckenden Bildern in Mississippi ausgerechnet die ägyptische Wüste wieder Hoffnung macht. Hier nämlich haben Ibrahim Atouleish und sein Sohn Helmy Boden fruchtbar gemacht, indem sie Kompost in den Wüstensand mischen, Bäume anpflanzen, bewässern und somit künstliche Oasen schaffen, in denen Obst und Gemüse angebaut und zum größten Teil regional vermarktet wird.

Code of survival

Oase in der Wüste Ägyptens. Foto: DENKmal-Film Verhaag GmbH

Es gehe eben auch anders, sagt Hely Atouleish in akzentfreiem Deutsch, wenn der Einzelne eine Idee habe, andere dafür begeistere und dann die Idee in der Gemeinschaft umsetze. Wichtig aber sei immer, dass die soziokulturelle Entwicklung mit der wirtschaftlichen Hand in Hand gehe, deshalb hat Ibrahim Atouleish Schulen gegründet, in denen jedes Kind nicht nur Bildung sondern Wertschätzung erfährt.

Guter Boden garantiert Zukunft

In seinem zweiten froh stimmenden Beispiel besuchte Verhaag die Darjeeling-Teeplantagen von Sanjay Bansal in Indien, wo der Buckinkham-Palast seinen Tee bezieht. Auch hier wird mit Liebe zum Produkt gearbeitet. Der Boden war durch Chemikalien zerstört und erholte sich durch den biologischen Anbau wieder. Der gute Boden sei zentral, sagt Bansal, er garantiere die gute Zukunft.

Code of survival

Sanjay Bansal lässt auch Kuhhörner im Boden arbeiten. Foto: DENKmal-Film Verhaag GmbH

Auch in Bayern fand Bertram Verhaag ein positives Beispiel. Beim Schweinezüchter Franz Aunkofer. Und er fand einen einen Landwirt in Iowa, der sehr erstaunliche Dinge zu berichten weiß, die zeigen, dass Tiere schlauer als die Menschen sind.

„Roundup – danger – poisson“ ist auf den Kisten zu lesen, die das Glyphosathaltige Produkt enthalten. Und Pflanzenpathologe Don Huber aus Idaho erklärt, dass es doch wohl nicht normal sei, wenn eins von 83 Kindern heute autistisch und einer von 18 Menschen Gluten-unverträglich sei. Gentechnisch veränderte Pflanzen nehmen weniger Nährstoffe auf, woraus Mangelerscheinungen beim Menschen resultieren.

Code of survival

Der Film ist deshalb so faszinierend, weil er wissenschaftliche Erkenntnisse mit den Beobachtungen und dem Einsatz von Landwirten verknüpft. Weil er den Mut und die Begeisterung der Menschen aufzeigt, die sich dem biologischen Landbau verschrieben haben. Und die auch solche Dinge wie Kuhhörner im Kompost oder die Sorgfalt der Teepflückerinnen in ihre Arbeit mit einbeziehen.
Die eingestreuten youtube-Beiträge der großen Chemiekonzerne stehen im harschen, unkommentierten Gegensatz dazu.

Auch die aus dem Off kommende Stimme Bertram Verhaags, der von seiner Kindheit auf dem Bauernhof, von seiner Sorge um die Verseuchung der Böden spricht und fordert, dass Politiker endlich ihr Vorsorgeprinzip anwenden, geben dem Film eine besondere Note.

Kurz vor der Premiere gestern Abend sagte er mir: „Der Film soll dazu beitragen, die Menschen nicht zu entmutigen vor der Macht der Konzerne. Diese zerstören den Boden, aber die anderen begegnen ihm mit Ehrfurcht und Demut.“

In der neuen Veranstaltungsreihe „Anders wachsen“ werden wir „Code of Survival“ zeigen und Bertram Verhaag hat versprochen, in den Landkreis zu kommen und die Fragen der Zuschauer zu beantworten.

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