Stadtgespräch in London: Chris Tille

Chris Tille - die Besucher staunen vor seinen gigantischen intergalaktischen Bildern

Chris Tille: „First Light I“ – das älteste Licht des Universums, festgehalten in einer ebenso gewaltigen wie filigranen Linienzeichnung. Foto: KN

The Big Bang, das erste Licht im All, gigantische Gravitationswellen und Sternkarten – immer tiefer dringt Chris Tille mit seinen Fotoprojekten in die galaktische Forschung ein und verwandelt sie in Bilder von erstaunlicher Sogwirkung.

Chris Tille, dessen Bild „Sternenfänger“ ihn hier vor allem als leidenschaftlichen Beobachter und Fotograf des Tegernsees bekannt gemacht hat – ebenso wie die gewaltigen Seeaufnahmen in frühen Morgenstunden, im Nebel kalter Novembertage, die Sonnenreflexionen auf dem Wasser – geht seit einiger Zeit vollkommen andere Wege. Weit weg von der realistischen Fotografie.

Von Klangbildern zu Sternenkarten

Mit den Klangbildern hatte es angefangen, in denen er die akustischen Signale von Wasser, Passanten, Autos und Seevögeln in Pixel umwandelte und somit völlig neue Bilder komponierte.

Chris Tille: 10.000 AD II
Chris Tille: 10.000 AD II. Foto: Chris Tille

Inzwischen ist er längst weit über den Tegernsee und Deutschland hinaus bekannt geworden mit seinen spektakulären neuen Fotoprojekten. In London wurde er im Oktober als „Künstler des Monats“ gefeiert. Auch in Shanghai waren seine beeindruckenden, großformatigen Bilder kürzlich zu sehen. Aus dem „Sternenfänger“ Chris Tilles sind weitaus größere Kunstwerke mit tieferer, weil auch wissenschaftlicher Bedeutung geworden. Waren die „Sterne“ damals Reflexionen des Sonnenlichts auf der bewegten Seeoberfläche, ist es jetzt die Umsetzung galaktischer Konstellationen, die den Fotografen und Künstler beschäftigen und immer tiefer in den Bann ziehen. So wie die Betrachter seiner Bilder auch.

Chris Tille: Magie des Ursprungs

Die Suche nach der Essenz der Dinge und eine unbezwingbare Neugier sind der Antrieb des Fotografen. Seit jeher faszinieren ihn die Ästhetik der Elemente und die visuelle Magie des Ursprünglichen. Seine Inspiration bezieht er aus den Menschheitsthemen der Geschichte, Wissenschaft oder Religion. In seinen gegenwärtigen Arbeiten hat er sich der Betrachtung astronomischer Phänomene zugewandt, und zwar sowohl von der künstlerischen als auch der wissenschaftlich fundierten Seite.

Die hohe Präzision in der Umsetzung der astro-physikalischen Fakten und seine außergewöhnliche Ästhetik überzeugte selbst das Max-Planck-Institut, wo er mit PD Dr. Thorsten Enßlin eng zusammen arbeitet.

Chris Tille (r.) und PD Dr. Thorsten Enßlin am Max-Planck-Institut
Chris Tille (r.) und PD Dr. Thorsten Enßlin am Max-Planck-Institut . Foto: KN

2013 gelang es Wissenschaftlern erstmalig, die Signatur des Urknalles in Schallwellen umzuwandeln. Nach zwei Jahren intensiver Arbeit fand Chris Tille eine Methode, die Schallwellen als Lichtpunkte darzustellen und somit den Urknall in seinem Zyklus „BIG BANG“ sichtbar zu machen. Fortsetzung fand diese Arbeit in „FIRST LIGHT“, in der er das älteste Licht der Welt in Lichtpixeln visualisierte, das 380.000 Jahre nach dem Urknall entstand und 13,7 Milliarden Jahre brauchte, um die Erde zu erreichen. Imposante Bilder von hoher Strahlkraft und Sogwirkung sind es, die er großformatig in München in der Galerie der Moderne, bei Renèe Pfister in London und in China ausstellt.

Chris Tille: Gravitationswellen 2016
Chris Tille: „New Horizon – Gravitationswellen“ – Visualisierung der Energie aus der Kollision zweier schwarzer Löcher. Foto: KN

Die Besucher stehen staunend und ein wenig verloren davor, versunken in den unendlichen Weiten des Universums, der Strahlwirkung immenser Gravitationswellen oder in Betrachtung der hellsten Sterne der Milchstraße, wie sie in 8000 Jahren voraussichtlich aussehen wird.

Sternenkarte der Zukunft

Das monumentale Projekt „10.000 AD“ hat etwa 1000 Arbeitsstunden umfasst, denn der Künstler hat exakt nach Angabe der Sternenkataloge Tycho II und Hipparcos ca. 1,2 Millionen Sterne per Hand an ihrer korrekten Position in der Zukunft platziert. Das Ergebnis ist ein beeindruckender Sternenhimmel, wie er in zukünftigen Zeitaltern in Natura bewundert werden kann. Wie es weiter geht? Chris Tille verrät nur so viel: Es bleibt ästhetisch, wissenschaftlich und – natürlich – galaktisch.

Mehr über die Arbeiten von Chris Tille finden auf seiner Webseite und auf der Seite seiner Tegernsee Art Gallery.

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