Rauchende Hunde im Grundgesetz

Axel Hacke liest im Kultur im Oberbräu Holzkirchen

Axel Hacke liest und erzählt in Bestform. Foto: Ines Wagner

Lesung in Holzkirchen

Er ist ein begnadeter Erzähler, dieser Axel Hacke und begeisterte gestern Abend im voll besetzten Festsaal des Kultur im Oberbräu die Zuhörer, jawohl am Ende mit seinen berühmten Kolumnen, aber vorher mit seinem neuen Buch, das er schrieb, um die Welt neu zu sehen.

„Die Tage, die ich mit Gott verbrachte“ heißt das Werk, illustriert von Michael Sowa und auf dem Titelbild ist der Erzähler zu sehen mit dem alten weißhaarigen Mann im grauen Mantel und einem rauchenden Hund, dem die Katze Feuer gibt. Dieser rauchende Hund aber käme gar nicht vor im Buch, hatte er dem Maler gesagt, erzählt Hacke. Anderseits aber sei es für ihn die leichteste Übung einen rauchenden Hund in jedem Roman der Weltliteratur unterzubringen, sogar im Grundgesetz. Schließlich sei er das vom „Streiflicht“ der SZ gewöhnt, da habe man immer eine Figur nach Vorgabe der Kollegen einbauen müssen.

Axel Hacke: „Die Tage, die ich mit Gott verbrachte“. Foto: Ines Wagner

Auf einem der ersten Bilder des Buches liegt ein Mann im Gras neben der Parkbank. Wie kam es dazu? Der Erzähler also sitzt nach einem Besuch des Gottesackers, wo viele Menschen liegen, an die man sich erinnern sollte, auf der Parkbank und über ihm in einem Haus streiten ein Mann und eine Frau (wer sonst?) und plötzlich schubst ihn ein alter Mann von der Bank. Kurz darauf kracht eine Weltkugel mit Metallfuß auf die Parkbank. So beginnt die Bekanntschaft der beiden Männer und sie erleben seltsame Dinge miteinander.

Das Zentrum der Welt

Wer ist dieser merkwürdige alte Mann? Künstler oder Wissenschaftler, der Erschaffer der Welt? Gott? Ist er mit dieser Welt, die er schuf, gescheitert? Er habe das Unperfekte machen wollen, denn er sei kein Ingenieur, sondern Künstler, sagt der Mann. Gemeinsam dringen die beiden bis zum Zentrum der Welt vor, in einen alten Lokschuppen. Und was finden sie da? Ein Wesen, das nur noch „Egal“ sagt.

Die Texte, die Axel Hacke aus seinem Buch liest, sind von einer tiefen, zuweilen sogar heiteren Melancholie, sie sind verspielt und versonnen und führen den Zuhörer oder Leser in der Tat in eine andere Welt, wo er bisher Unbekanntes erfährt.

Der kleine König Dezember

Diese neue Welt hat Hacke schon in seinem Buch „Der kleine König Dezember“ aufgesucht, das erste Buch, das er vor 25 Jahren gemeinsam mit Michael Sowa herausgab. Es sei eines der größten Erlebnisse seines Lebens gewesen, dass der Maler den kleinen König so gezeichnet habe, wie er ihn sich vorgestellt hatte. Nur beim Gesicht gab es Probleme, der erste Entwurf habe Franz Josef Strauss geähnelt.

Hier beschreibt Hacke eine verkehrte Welt, wo die Menschen groß mit mit dem gesamten Wissen zur Welt kommen und danach schrumpfen und langsam alles vergessen. Er reflektiert darin, welche der beiden Möglichkeiten günstiger für den Menschen, auch für den Sargbauer sind.

Axel Hacke signiert im Kultur im Oberbräu Holzkirchen

Axel Hacke signiert. Foto: Ines Wagner

Nach dem tiefgründigen ersten Teil folgte nach der Pause, in der der Autor zahlreiche Bücher zu signieren hatte, der zum Brüllen komische zweite mit den besten Kolumnen aus vielen Jahren Arbeit für das SZ Magazin, das man von hinten lesen möge, denn schließlich steht Hackes Kolumne auf der letzten Seite.

Man, jemand und einer

Da ist natürlich die liegen gebliebene Christbaumkugel dabei, die die drei stinkfaulen Hausgenossen man, jemand und einer nicht in den Keller bringen und auch der Partnerschaftspassiv zur Erledigung unangenehmer Arbeiten wird zitiert. Wurstwart Jörg, der es sich zur Aufgabe gemacht hat Eltern zu erziehen, die es wagen Wurst in den Kindergarten zu bringen ist ebenso dabei wie der vegane Supermarkt, in dem es fleischfreies Fleisch gibt und Wurst zur Zigarette der Zukunft stigmatisiert wird.

Und ganz am Ende bringt der sich in Bestform präsentierende, gut gelaunte Autor und Erzähler noch seine Beispiele des unentdeckten Volksphänomens zur Sprache, die falsch verstandenen Liedtexte. Das geht mit „Welch ein Singen Musizieren“ los, aus dem Leser den Vogel „Welchlein singen musizieren“ machten. Und bei einer Vogelzählung wurde dann tatsächlich das Welchlein mit gezählt. So habe er mit seiner Kolumne zur Schöpfung beigetragen, berichtet Hacke, sichtlich stolz.

Er endet mit falsch übersetzten Speisekarten à la onion rings = Zwiebel ruft an. Riesenapplaus, Zugabe, ein in mehrerlei Hinsicht bereichernder Abend, zunächst die Entführung in die andere Welt und danach feinst beobachtete normale Welt mit Sprachwitz in Reinstkultur, auch beim wiederholten Hören herrlich erfrischend.

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