Masha Dimitrieva bei Otto Wesendonk

Atelierkonzert Wesendonck

Masha Dimitrieva beim Atelierkonzert. Foto: Marcus Vitolo

Atelierkonzert bei Bildhauer Otoo Wesendonck

Unter dem Titel „Russische Märchen“ gab die Pianistin Masha Dimitrieva jüngst einen stimmungsvollen, vitalen und sensiblen Klavierabend im Atelier des Bildhauers Otto Wesendonk in Waakirchen. Umgeben von den inspirierenden plastischen Schöpfungen und Zeichnungen Wesendonks durfte eine ausgesuchte Schar von Freunden der Kunst dem berauschenden Klavierspiel der russischen Virtuosin lauschen.

Sie widmete diesen Abend den unbekannteren Werken der russischen Klavierliteratur, sowie ihrem verstorbenen Musikerfreund und Komponisten Gordon Sherwood (1929-2013). Dimitrieva ließ zum Auftakt Rachmaninovs Prélude G-Dur op.32 Nr. 5 Moderato sanft perlend erklingen, die Geschmeidigkeit des Satzes hervorhebend und die Kantabilität der sinnlichen Melodie. Aus op.43 von Anton Arenskij, erfolgreicher Pianist und Komponist der Schule Rimskij-Korsakovs um die Wende zum 20. Jahrhundert, erklangen Drei Capricen aus op.43. Mit drängender Dramatik entfaltete Dimitrieva Nr. 1 Allegro molto in a-moll, liess in Nr. 5 Andantino in D-Dur unter gesanglicher Melodie den Bass energisch aufperlen, führte das Stück wie ein Lied ohne Worte, und Nr.4. Allegro in G-Dur gefällig und elegant, mit feiner Pianistik.

Russische Melodik und westliche Formen

Paul Juon, dessen Eltern aus der Schweiz nach Russland auswanderten, wurde dort unter anderem ein Schüler von Arenskij. In seiner Elegie und Humoreske aus „Satyr und Nymphen“ op.18 kommen beispielhaft russische Melodik und westliche Formen zusammen, und unter Dimitrievas Händen entwickelte sich kerniger und fließender, durchdringender und berührender Klavierklang.

Von Nikolaj Medtner spielte sie 4 Skazki, musikalisch umgesetzte Märchen am Klavier, in b-moll ertönte das eine akkordisch und dunkel, wogend schaukelte es in f-moll, verspielt und verschmitzt klingelte es in c-moll, und sehr kantabel das A-Dur Märchen.
Gordon Sherwood stand eines Morgens vor Dimitrievas Tür, nachdem sie ihm eine Nachricht auf Band hinterlassen hatte. Er blieb neben ihr am Klavier bis Sonnenuntergang sitzen und bis sie ihm ihr komplettes Repertoire vorgespielt und miteinander durchgesprochen hatten.

Atelierkonzert Wesendonck

Die Pianistin Masha Dimitrieva. Foto: KN

Der Musikwanderer Sherwood, Schüler unter anderem von Goffredo Petrassi in Rom, suchte verschiedene Länder auf und spielte, komponierte, lebte und trat dort auf, wo sich das übliche Konzertleben eher weniger entfaltet, wie Kairo in Egypten, Nairobi in Kenia, Albuquerque in New Mexico USA, und landete schließlich in Paris. Aus seinem umfangreichen Ouevre spielte Masha Dimitrieva die „Dance Suite“ von 1981 in 6 Sätzen und liess die ihnen innewohnende Vitalität aufblitzen, die unterschiedlichsten Stimmungen und Farben, von der Aufgewühltheit des Prélude über den zänkisch hüpfenden Kobold der Polka, der gelassenen, raumöffnenden Mazurka, zum quirlig modernen Walz, die Schwermütigkeit der Czardas und die mexikanisch angehauchte, a‘ la Morricone klingende Polonaise.

Erstaufführung im Atelierkonzert Wesendonck

Auch die gegensätzlichen Gemüter Sherwoods Sonatinas op. 27 kamen getroffen zur Geltung: die unruhig springende Alla francese und die gemächlich sich windende Sonatina 1001 Nights mit orientalisch typischem Klanggebilde und Tempo in modernem Gewand. Eine Erstaufführung durfte das Publikum mit Sherwoods Sonata op.78 erleben: drei Frauencharaktere aus dem engen Bekanntenkreis des Komponisten wurden hier musikalisch umschrieben, die bestimmte und fordernde Sophie, jazzig und fest-akkordisch, die sanft lauernd und locker bis zu höchsten Klängen schreitende Laure Belle und die elastisch und entschlossene, bewegte Audrey Lois.

Atelierkonzert Wesendonck

Im Atelier des Bildhauers Otto Wesendonck in Waakirchen. Foto: Marcus Vitolo

Drei Boogies des Werks Boogies Canonicus op.50 ( in Kanonform) beendeten das ausgesuchte Programm mit ausgelassenen Klängen. Der flotte Canone alla Quarta, der weich-samtige Alla Sesta und der wilde, stetig motorische Alla Quinta. Ein begeistertes Publikum entlockte der hervorragenden, charmanten Künstlerin noch eine schwindelerregende Zugabe: ein „Hummelflug“ im rasanten Boogie-Woogie Rhythmus.

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