Mit „Kein Aufwand“ Publikum begeistert

Andreas Martin Hofmeier und Tim Allhoff. Foto: Monika Ziegler

Musikalisch-kaberettistische Lesung in Holzkirchen

Ein bisschen Polt, ein bisschen Valentin und ganz viel Hofmeir, das ist die fantastische kabarettistisch-musikalische Lesung „Kein Aufwand“, die der bekannte Tubist gemeinsam mit dem nicht minder bekannten Jazz-Pianisten Tim Allhoff im Festsaal der KULTUR im Oberbräu präsentierte.

Natürlich barfuß kommt Andreas Martin Hofmeir auf die Bühne, setzt sich, trinkt einen Schluck Wasser, natürlich aus der Flasche – kein Aufwand bitte. Und schaut unaufgeregt und ein bisschen gelangweilt ins Publikum. Wer denn heute Abend freiwillig da wäre? Wer denn die Karte geschenkt bekommen habe? Und beginnt damit einen fortwährenden Dialog mit dem entzückten Publikum, das voll auf den trockenen Humor des Musikers und Kabarettisten einsteigt.

An seiner Seite Tim Allhoff, Komponist und Pianist, mit Preisen ausgezeichnet, der für den erkrankten Gitarristen Andé Schwager einsprang und „der ganz anständig vom Blatt runterklimpert“, wie Hofmeir überbordernd lobt. Wie er die Nacht in Holzkirchen verbringt, das blieb bis zum Ende des Abends ungeklärt, denn Hofmeier betreibt keinen Aufwand, braucht nur ein Hotelzimmer und erwartet für seinen attraktiven „Kompagnon aus Augsburg“ ein Privatquartier. Bedingung: blond und jünger als 26. Diese Bedingung wird mangels Angebote modifiziert bis hin zu jünger als 51, Geschlecht egal, Ausgang blieb ungewiss.

„Kein Aufwand“ heißt die Autobiografie des immerhin schon 39-jährigen Musikers, der als Professor am Mozarteum in Salzburg tätig und Gründungsmitglied von LaBrassBanda ist. Lustig sei sie nicht, eher depressiv, kündigte Hofmeir an und die Musik mache es auch nicht besser, denn man spiele ausschließlich brasilianische Liebeslieder, die ebenfalls depressive Stimmung verbreiten.

Kein Aufwand
Andreas Martin Hofmeir. Foto: Monika Ziegler

Nach dieser ermunternden Einleitung feuert das Allroundgenie Texte ab, die einfach nur köstlich sind. Wussten Sie, dass zum Beispiel in einer Dvoraksinfonie, Hausnummer 9, der Geiger 20 000 Töne, der Tubist aber nur sieben zu spielen hat, aber dasselbe Gehalt erhält, was bedeutet, dass der Geiger 1,5 Cent pro Ton, der Tubist 21,43 Euro pro Ton einsteckt. Klar jetzt, warum Hofmeir Tubist wurde, auch wenn man als solcher belächelt wird. In den langen Pausen zwischen den wenigen Tönen also habe er beschlossen zu schreiben. Prosa und Lyrik. Von beidem lieferte Hofmeier Kostproben ab.

Mit unschlagbarer Selbstironie beschreibt der Musiker, dass er völlig unvorbelastet zum Studium nach Berlin gegangen sei, sein erstes Klassikkonzert habe er nicht gehört, sondern gespielt. Und die begeisterten Zuhörer erfahren, dass die Tuba das jüngste, naja fast jüngste Instrument in der Musikgeschichte sei, 1835 erstmals gebaut und 1955 habe es das erste Solowerk gegeben, obwohl die Tuba doch den vollsten, rundesten, wunderbarsten Klang habe – im Gegensatz zur Flöte.

Kein Aufwand
Tim Allhoff am Piano, Andreas Martin Hofmeir an der Tuba. Foto: Monika Ziegler

Und so spielte er Telemanns Flötenfantasie auf der Tuba mit wunderbarem vollen Klang, während Tim Allhoff „beherzt ins Elfenbein griff“, ein kongenialer Partner, der nicht nur musikalisch, sondern auch von Mimik und Gestik eine ideale Ergänzung zu Andreas Martin Hofmeir ist. Einer der Höhepunkte des musikalischen Teils ist Piazolla und am Ende der fantastisch gespielte berühmte Csárdás von Monti, mit Klavier und Tuba ein Hochgenuss, das Publikum ist hingerissen, denn so hat man die Tuba noch nie gehört.

Kein Aufwand
In der Pause: Andreas Martin Hofmeir und Tim Allhoff. Foto: Monika Ziegler

Hofmeir erzählt, dass er LaBrassBanda verließ, als man mit 35 Menschen Begleitung und vielen Transportern durch die Republik tourte, er habe eben etwas ohne Aufwand machen wollen. Und so liest er ganz ohne Aufwand aus seinen Jugenderlebnissen, wie er seine Übungszeiten türkte, wie er Krötenzäune wegen Wurstsemmeln baute, auch davon welch ein Segen ein Einbrecher sein kann. Er las vom Problem, seine Tuba durch den Scanner am Flughafen zu kriegen und tanzte spielend am Ende sogar noch den Sitzsamba aus der Holledau – ganz ohne Aufwand.


Beim Schlussapplaus. Foto: Monika Ziegler

Allerdings forderte das trampelnde Publikum Zugaben – doch noch ein bisschen Aufwand. Und nächstes Jahr kommt er wieder, der Hofmeir, mit Teil 2, es empfiehlt sich rechtzeitig Karten zu reservieren. Und toll wäre es, wenn der Tim Allhoff dabei wäre, vielleicht hat sich ja in Holzkirchen doch ein privates Quartier ergeben?

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