Einheimischen Autoren ein Podium gegeben

4 einheimische Autoren

Stephanie Wochinger, Sylvia Gräf-Kuschewski, Volker Camehn, Ivana de Faveri in der Holzkirchner Bücherecke (v.l.). Foto: Monika Ziegler

Lesung in Holzkirchen

„Sieh, das Gute liegt so nah!“ Nach dieser Aufforderung von Johann Wolfgang von Goethe verfuhr die Holzkirchner Bücherecke, als sie vier einheimische Autoren zu einer Lesung einlud. Und die rhetorische Frage: „Warum in die Ferne schweifen?“ wurde eindeutig beantwortet.

In der „Woche der unabhängigen Buchhandlungen“ wolle man etwas Besonderes anbieten, kündigte Cornelia Engl an, die mit Edith Wüster und Caroline Holz die Holzkirchner Buchhandlung betreibt. Nicht Autoren von außerhalb wolle man heute vorstellen, sondern dem im Landkreis schlummernden Potenzial ein Podium geben.

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Stephanie Wochinger liest „Hommage an das Wort“. Foto: Monika Ziegler

Die vier ausgewählten Autoren haben sämtlich bereits Publikationserfahrungen und brachten ihre Bücher zur Lesung mit. Stephanie Wochinger hat gemeinsam mit der Tölzer Malerin Angela Sommerhoff mit ihrem Buch „freiRÄUME“ ein Kleinod geschaffen.

Ihre aneinander gereihten Worte wirken wie Gedichte, sie öffnen beim Leser oder Zuhörer eigene Innenräume und lassen hier Geschichten entstehen. So tritt sie in Resonanz mit ihren Lesern und schnekt ihnen etwas sehr Kostbares. Zur Lesung aber hatte sie ein Essay mitgebracht. Ihre „Hommage an das Wort“, die sie bei der Lesung der Schreibwerkstatt von KulturVIsion e.V. bei der Tegernseer Woche vortrug. Darin geht es darum, die Bilderwelt der Gedanken sichtbar zu machen und dem Wort und seiner Vielfalt der Interpretationen Raum zu geben.

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Ivana de Faveri und ihr Mann Rüdiger Mühlhausen. Foto: Monika Ziegler

Ivana de Faveri veröffentlichte mit „Danke für Picasso“ ihren zweiten Roman. Die studierte Mathematikerin aus Otterfing bringt ihr Spezialwissen in ihre Bücher ein, die aber keineswegs trocken sind. Im Gegenteil. Der Ordungsautist Bodo, der die ganze Welt aufräumen will und sogar die Buchstaben in der Nudelsuppe sortiert, trifft nach einem Unfall auf die Psychologin Rebekka, die das Chaos liebt – da ist Spannung programmiert. Zudem erfährt der Leser, was ein gut gemeinter Satz der Mutter anrichten kann. Ivana de Faveri ließ ihren Mann Rüdiger Mühlhausen lesen und steuerte selbst die Übergangserklärungen bei.

Fühlen wichtiger als Wissen

Die Physiotherapeutin Sylvia Gräf-Kuschewski veröffentliche kürzlich ihr erstes Buch „Menschsein Leben – Wie geht das?“ Aus ihrer jahrelangen Erfahrung in der Arbeit mit Menschen habe sie herausgefunden wie wichtig das Fühlen ist, wichtiger als das Wissen. Die Wissenschaft könne nicht erklären, was der Mensch sei.

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Sylvia Gräf-Kuschewski liest aus ihrem Buch „Menschsein Leben – Wie geht das?“ Foto: Monika Ziegler

Achtsamkeit, die sie als Wahrnehmung versteht, spiele im Menschsein die zentrale Rolle. „Wir sollen das Leben radikal bejahen“, sagt sie, Schönheit ebenso wie Traurigkeit. Der Körper sei die Basis, die Bühne, auf der sich das Leben abspiele. Sie rief dazu auf, das Potenzial der gedanklichen Neuorientierung ebenso zu nutzen wie die Intuition. Dazu las sie die Geschichte ihrer Großmutter, die im Bombenhagel intuitiv die richtige Entscheidung traf und das eigene und das Leben ihrer Mutter rettete. Mehr über Sylvia Gräf-Kuschewski erfahren Sie hier.

Karriereleiter runtersteigen und Wünsche verwirklichen

Zwei Lyrikbändchen habe er veröffentlicht, aber immer noch keinen Büchnerpreis erhalten, so stellte sich Volker Camehn aus Otterfing vor. Damit war klar, hier ist ein Poet unterwegs, der die Welt humorvoll sieht, aber nicht nur. Der studierte Journalist gab seinen Redakteursposten auf und widmet sich ganz dem Schreiben, wenn er nicht auf einem Bauernhof jobbt. Und so ist auch eine seiner Botschaften im Gedicht „Wenn das jeder machen würde“: Karriereleiter heruntersteigen, nachdenken, nichts sagen, zuhören, nichts machen.

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Volker Camehn liest Gedichte, heiter und ernst. Foto: Monika Ziegler

„Merci, dass es mich gibt.“ Damit endet ein bemerkenswertes Gedicht über das Zusammensein mit sich selbst. Denn, so schreibt er in einem anderen, beim Verliebtsein fehle ein wenig der IQ, statt dessen habe man eine „Schwarmintelligenz“. Die Ambivalenz so mancher Worte kostet Camehn genüsslich aus und spielt mit ihnen. Und wird dann wieder sehr komisch, wenn er Literatur mit Liter verbindet, kein Wunder, nennt er doch seine Lesungen „Prost und Prosa“. Einige Kostproben der Lesung von Volker Camehn finden Sie im Video.

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